TAG 4 in der Mongolei – „Today just bumpy roads!“

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So, am 4. Tag im Land Dschinghis Khans – und auf den sind die Leute hier auch heute noch sehr stolz – ging es im Süden der Wüste Gobi für uns weiter in Richtung Sanddunes.

Weitergehen meint hier das Befahren von „Straßen“, die man in Europa zurecht nicht mal als schlimme Feldwege im Wald bezeichnen würde. Unser Guide Otgor nennt die Wege, die als solche oft nicht mal zu erkennen oder gar existent sind, trotzdem Straßen, und warnt uns – mit einem Lächeln- vor „today, only seven hours of bumpy roads!“ Übersetzt heißt das so viel wie: Haltet euch fest ( von Gurten hat hier nämlich auch noch nie jemand gehört);-) Also lassen wir uns mal so richtig durchschütteln… Und der gemeine Mongole hält, was er verspricht, was zugegebenermaßen für unser aller Rücken doch eine herausforderung war ( interessant; Julia ist aber trotzdem nicht schlecht geworden!)

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Wenn man sich stets festhalten muss, ist Schlafen allerdings auch keine valide Option, was dem offenen Geist jedoch Zeit zum Schweifen lässt. Und dabei, oder einfach auch,, weil das Gehirm mal wieder so richtig durchgeschüttelt wurde, sind mir folgende circa 10 Dinge aufgefallen, die die Mongolei für mich ausmachen:

1. In der Mongolei haben nur Hunde Namen. Frag also nicht nach dem Namen eines Nutztieres, da dich der gemeine Mongole dann erst unverständig anschaut und dann später herzhaft über dich lacht.

2. Das Hauptfortbewegungsmittel in der Mongolei sind nicht mehr Pferde, sondern russische Mininvans und Motorräder auch russischer Bauart, aufgemotzt mit Teppichen. Man reitet aber auch weiterhin fleißig auf allem, was 4 Beine hat.

3. Die Landschaft in der Mongolei wechselt während der Fahrt genau so schnell wie das Wetter – hinter jeder Ecke kann beides sich komplett verändern.

4. In der ganzen Mongolei gibt es außerhalb UB höchstens 14 Toiletten für 1,5 Millionen menschen ( auf einer Fläche, die etwa drei Mal so groß ist wie die Bundesrepublik) Deshalb macht jeder einfach da, wo er ein Plätzchen findet.

5. Von allen Hinterlassenschaften, die man hier finden kann, und dass sind wirklich viele außergewöhnlichster Art und Größe (von klein nach groß geordnet: Pikas, Goats, sheep, horses, camels…) ist nur eine zur Gänze unnütz und muffelt am stärksten – wie sollte es anders sein – die des Menschen.

6. Es gibt circa 3 Millionen Mongolen, wovon ungefähr 1,6 Millionen in UB (so nennen die wirklich „coolen“ Backpacker Ulan Baatar) wohnen, was dazu führt, dass dieses Land fast zur Gänze leer zu sein scheint. Das gilt übrigens auch für Touristen, die einem auf der countryside nur sehr selten begegnen.

7. Die Mongolen sind zwar nicht die freundlichsten Menschen, aber dafür die gelassensten, die oft mit entblößtem Bauch in einer Toilettenhockstellung herumsitzen, die Europäern sportliche Schwierigkeiten bereiten würde, und einfach mal nichts tun. Nichtstun ist hier wirklich beliebt, was wahrscheinlich auch an den fehlenden Möglichkeiten liegt. Natürlich arbeiten die Leute auf dem land sehr hart, aber ihr wisst schon, was ich meine.

8. Die mongolische Wüste verfügt nur über eine geringe Anzahl von Dünen, die adäquat in die Landschaft eingepasst zwar schön und sehenswert, aber nicht unbedingt beeindruckend sind. Aber das wird die globale Erwärmung, die unser niederländischer Begleiter übrigens für eine große, verschwörerische Lüge hält, um die Massen ruhig zu halten, wahrscheinlich noch richten.

9. Am sehenswertesten in der Mongolei ist Julia, aber das ist nicht wirklich länderspezifisch.

10. Jedes Ger (Jurte) verfügt heutzutage übrigens oft dank deutscher Technologie über ein Solarpaneel und somit über Strom, was dazu geführt hat, dass selbst i der tiefsten Steppe nun stets der Fernseher läuft und sich des Nachts die Geräusche schlecht nachvertonter chinesischer Soaps mit denen der Tiere und des Windes vermengen. Es lebe die Technik!

11. Bereist man die noch nicht wirklich touristisch erschlossene Mongolei, sollte man stets gut vorbereitete, campingerfahrene und sehr nette Mitreisende finden, die die Tour philosophisch bereichern und sich so wenig „korean“ wie möglich verhalten (Privatscherz)

12. Fermentierte Pferdemilch ist wesentlich ekliger als fermentierte Kamelmilch, was man nicht glauben würde, wenn man die Hinterteile beider Tiere und deren Geruch miteinander vergleicht. Die Milch heißt hier auf jeden Fall „Airak“, haben in etwa5 % Alkohol(je nachdem, wie lange es schon gegammelt hat) und wird von morgens bis abends von ganz jung bis ganz alt getrunken. Auf den Geschmack ist dies, so glaube ich mit meinem europäischen Gaumen sagen zu können, nicht zurückzuführen.

13. Die melancholische Musik von Eddie Vedder (Pearl Jam) passt perfekt zur abendlichen Stimmung in der Wüste und zum Geschrei der Kamele.

14. Trinkt nichts, was aus Milch gemacht wird, ohne vorher nachzuschlagen, was das Wort „brucellosis“ bedeutet!;-)

Mongolia – Das Land der Wünsche

So, ihr Lieben, jetzt bin ich mal dran mit Schreiben! In diesem Land bekommt man wirklich viele Gelegenheiten, sich etwas zu wünschen:
Gestern nacht dürften wir den besten Sternenhimmel bestaunen, den ich je zu Gesicht bekommen habe: Alles richtig klar, die Sternbilder deutlich sichtbar, die Milchstraße im Blick und abertausende von Sternschnuppen! Einfach der Hammer! Und ihr wisst ja: Zu jeder Sternschnuppe gehört ein Herzenswunsch – und die haben wir uns natürlich auch nicht nehmen lassen…IMG_20140819_105305
Aber auch sonst haben die Mongolen überall im Land genug Gelegenheit, um Wünsche loszuschicken: So ist es Brauch, Steine auf große aufgeschichtete Steinpyramiden zu werfen und dann im Uhrzeigersinn drei Mal darum herumzugehen. Natürlich habe ich das schon mehrmals gemacht – iht kennt ja mein abergläubisches Wesen – und ich hoffe wirklich, das etwas dran ist an dieser Tradition.

IMG_20140818_105302Zuletzt konnten wir einen derartigen Steinhaufen heute übrigens in dem Nationalpark sehen, den wir am späten Nachmittag nach einer sehr anregenden Busfahrt mit Diskussionen über Gott und die Welt, Vorurteile der anderen Nationen gegenüber den Deutschen und tiefsinnigen Betrachtung der „Marktsituation der ÜBER30-Jährigen“ besuchten.
Nur ein kleiner Exkurs zum Nationalpark: Überwältigende Natur und -was noch besser ist- hunderte sehr aktiver und poussierlicher kleiner Tiere, die Pika genannt werden und unseren Feldmäusen gar nicht unähnlich sind…

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IMG_20140818_110846Aber wo war ich stehen geblieben? Ach ja, Wünsche…
Viele Wünsche, die man an einen Traumurlaub stellt, werden hier erfüllt: Atemberaubende Landschaften, vielfältiges Tierreich, aber kaum Insekten, ein angenehmes Klima, Stille und Ruhe, kaum Touristen, exotisches Essen, romantische Sonnenuntergänge…
Leider, leider – und ich muss es wohl so sagen – bleibt die Mongolei ein Traumland vor allem für Hartgesottene. Viele meiner ganz persönlichen Wünsche bleiben unerfüllt: Toiletten gibt es so gut wie gar keine, und wenn, sind sie eine Zumutung für Augen und Ohren. Von Duschen brauchen wir gar nicht sprechen, In den Gers -also den Jurten – ist es zwar gemütlich, allerdings gibt es hier keine Matratzen, sondern Betten, die lediglich mit Holzbrettern ausgestattet sind, was mich um zwei sehr wichtige Wünsche bringt: Angenehmen, geruhsamen Schlaf und rückenschmerzenfreie Tage und Nächte.
Dazu kommen noch einige Kleinigkeiten, die einen durchaus verzweifeln lassen können – etwa die Straßenlage oder auch die Tatsache, dass in der Hauptstadt mit über 1,5 Millionen Menschen kaum jemand Englisch spricht bzw. überhaupt mit uns sprechen will… Die Mongolen sind leider auch nicht so freundlich, wie immer behauptet wird: Spricht man die Großstädter auf der Straße an, drehen sie sich weg oder schütteln nur ängstlich und verzweifelt den Kopf, und in der Steppe, wo die Gastfreundschaf zumindest früher groß geschrieben wurde, serviert man uns – eventuell – einen schnellen Milchtee, und dann werden wir zu den Jurten gebracht bzw. abgeschoben.

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Bitte versteht mich nicht falsch – hier ist es wirklich schön, aber man muss einiges in Kauf nehmen, um eben unberührte Landschaften und Stille genießen zu können – und dazu gehören eben auch einige Annehmlichkeiten der Zivilisation, ohne die ich für eine Woche zwar schon mal auskomme, die ich aber auf keinen Fall länger missen möchte… Ich hoffe, Stephan sieht das genau so, und wir können dann nach einigen Tagen Ulaan Baator weiter nach China, das uns sicher wieder einoge andere Überraschungen präsentieren wird…

PS: Das hört sich ja jetzt doch negativer an, als ich wollte – aber so ist das halt um halb drei morgens, wenn alle Welt schläft, es kein elektrisches Licht gibt und man außerdem schon seit Stunden nicht schlafen kann, weil die verdammte Matratze ein Holzbrett ist! So;-)

 

Wieder ein Tag in der Steppe – oder: „Did the bug rape you? – Just a little bit!“

Nach den gestrigen Ergüssen halte ich mich heute ein wenig kürzer: Wüste…und das könnte es auch schon gewesen sein, aber ich weiß ihr wollt mehr und eventuell ist das der letzte direkte Eintrag von diesem wirklich beeindruckenden Tripp, da die Batterie bald zur Neige geht. Zwar haben die Nomaden hier über Solarpaneele Elektrizität in ihren Gers, aber wer hat schon mal versucht einen Laptop direkt an eine Autobatterie anzuschließen?

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Wir haben heute wieder viel erlebt, weshalb sich die bisherigen drei Tage (Wahnsinn, erst so kurz!!!) wie Wochen anfühlen. Die Mongolei ist einfach wunderschön und nach jedem Hügel kann sich die Landschaft von jetzt auf gleich ändern! Und das Beste ist, es scheint fast so, als ob unsere kleine Gruppe die einzigen Touristen weit und breit wären. Gestern sind uns den ganzen Tag über nur zwei andere russische Vans, die übrigens hier immer noch produziert und für schlappe 3000 Dollar zu haben sind, begegnet. Davon war einer von oben bis unten mit Mongolen geefüllt und nur der zweite brachte drei Touristen zu dem Hotspot (Weiße Klippen) den wir gerade im Begriff waren zu verlassen. „That place is really beautiful, but quite crowded!“

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Ein Wahnsinnsanblick sind die Klippen schon gewesen, die eigentlich eher rot als weiß mitten in der Wüste zu liegen scheinen und auf Entdecker, wie uns, warten. Und man fühlt sich wirklich ein wenig wie ein kolonialer Entdecker, wenn man völlig ungesichert an Klippenrändern steht (Guide:“Stephen, don´t kill yourself!“) oder über eine völlig versandete Schlucht in die Tiefe wandert, um unten angekommen das soeben todesmutig überwundene Terrain nun aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten.

IMG_20140817_094858Neuer Blickwinkel ist übrigens ein gutes Stichwort, denn davon gab es auch im übertragenen Sinn gestern einige zu erringen. So haben wir zum Beispiel die größte Toilette der Welt benutzt und dabei festgestellt, dass das Verbrennen von benutztem Toilettenpapier schwieriger ist als gedacht. Außerdem ist der Sternenhimmel hier draußen in der Wüste wirklich einzigartig. Für alle Astronomen unter euch oder die, die es noch werden wollen: 0 % Lichtverschmutzung…
Des weiteren ist im freien Schlafen in der Wüste zwar durchaus möglich, wegen der eventuell auf einen Snack vorbeikommenden Wölfe aber wenig empfehlenswert. Hier hatte besonders Julia eine tiefergehende Erkenntnis über den Sinn und Unsinn von Guarddogs in dieser Region, die zwar vorletzte Nacht ständig gebellt haben aber damit wohl auch im Gegensatz zu heute Nacht die hungrigen Hundevorväter fern gehalten haben. Unsere koreanische outdoor- und campingliebende Begleiterin Hanto überdachte deshalb nach sehr kurzem Zögern ihre spontane Entscheidung unter dem Sternenhimmel zu nächtigen und schloss sich uns im Ger an, wo es heute galt, auf Holzpritschen zu schlafen, die unserer Prinzessin schwer zusetzten. „Nächste Nacht schlaf ich im Auto!“ Aber Julia hält durch und findet die Mongolei durchaus, wie sag ich es jetzt, interessant!
Aber leben möchte Sie hier nicht auf Dauer und da stimme ich ihr uneingeschränkt zu.
Das Abendessen übrigens aus selbstgemachten mongolischen Nudeln und getrocknetem Ziegenfleisch hat Julia besser weggesteckt als ich, wahrscheinlich, weil ich in einem unbedachten Moment dabei zugesehen habe, wie diese hier sehr typische Mahlzeit zubereitet wurde. Ich erspar euch die Einzelheiten, aber ich habe unseren guten Vegetarier und sagt das bitte nicht weiter dieses eine Mal fast um seinen fleischlosen Teller beneidet.

CAM01458Es war wie alles hier auf jeden Fall eine Erfahrung. Eine Erfahrung, die uns nicht nur etwas über dieses Land und die Menschen hier, sondern auch über uns selbst einiges beibringt und manches in den Köpfen zurechtrückt, was man sich darin so schön zurechtgelegt hat.
Die Menschen hier sind übrigens durchaus glücklich mit ihrem Leben, obwohl die Frau bei der wir heute wohnen durften zur Zeit ganz alleine hier draußen ist, da ihr Mann mit den Tieren (außer den Kamelen) aufgrund des diesjährigen harten Winters und dem damit einhergehenden Wassermangels im Sommer in ein etwas grüneres Gebiet ziehen musste. Obwohl allein unter Wölfen scheint sie durchaus zufrieden zu sein und lächelt uns entweder an oder schaut uns wie eine Kuriosität die es müde zu belächeln gilt an und trägt dabei einen Habitus der Ruhe und Gelassenheit zur Schau, von dem wir Europäer, die wir unser Auto waschen müssen und zur Arbeit gehen und ins Kino, etc., durchaus etwas lernen können. So genug lamentiert, ihr merkt die Einsamkeit insbesondere am Morgen. Julia schläft ein wenig auf meinem  Schlafsack, damit sie wenigstens noch eine Stunde Schlaf bekommt, macht mich philosophisch.

CAM01305Ach ja – Julia hatte heute noch ein spannendes Erlebnis mit Insekten – ihr wisst ja alle, dass Julia Tiere sehr liebt, aber ganz und gr nicht unsere sehr kleinen, teils haarigen oder chitinlastigen Begleiter. Und heute hatte sich tatsächlich ein zugegebenermaßen recht großer schwarzweißer Käfer für etwa 40 Minuten in ihrem Hosenbein versteckt und kam dann herausspaziert – was natürlich einen halben Panikanfall und wilde Kontrollmaßnahmen nach sich zog. Will fragte sie freundlich: „Did the bug rape you?“ – und sie tatsächlich: „Yes, a little bit!“ Da muss unsere Prinzessin aber noch etwas weniger sensibel werden,w as Insekten angeht, denke ich;-)
Wieder zurück zum business as usual, das Toilettenpapier geschnappt, das Toilettenfeuerzeug verstaut und passende Stelle zum… gesucht.

Die Surrealität der Steppe oder, wie sich ein Schaf den A… kratzt!

Nach einer längeren erzwungenen Pause („In der Steppe finde ich einfach kein unverschlüsseltes W-Lan!!“) , hier nun die Fortsetzung unseres Mongolien-Trips. Ich sitze gerade um 6:00 Uhr Ortszeit auf einem Felsen mitten in der Mongolischen Steppe.

IMG_20140816_063329Unter mir erwachen die Goats und Schafe der Familie, bei der wir in den Jurten geschlafen haben, langsam und auch die sogenannten Gers unter mir liegen noch ganz verschlafen und still da. Hier in der Steppe beginnt der Tag spät, aber dafür sind die frühen Morgenstunden um so ruhiger. Irgendwie wirkt es surreal hier zu sitzen, dem Sonnenaufgang zuzusehen und vorgestern noch in Deutschland mitten im Leben gewesen zu sein. Hier in der mongolischen Steppe laufen die Uhren langsamer. Das ist auch verständlich, wenn man die „Straßen“ in dieser Region betrachtet und dabei zu verstehen beginnt, dass selbst der Weg zum nächsten Kloster, dass eigentlich nur 30 Minuten Luftlinie von einem entfernt ist, etliche Stunden aufreibender Fahrt bedeutet. Da muss einem das morgendliche Gebet schon einiges Wert sein. Deshalb ist es auch verständlich, dass sich die „restoring buddhism in mongolia“ Bewegung nur langsam durchzusetzen beginnt.

IMG_20140816_093153 IMG_20140816_093302 IMG_20140816_092408 Die Mönche hingegen gehen mit dem Zahn der Zeit und fahren innerhalb ihres Klosters im Nirgendwo auf elektrischen Einrädern durch die Gegend, wahrscheinlich um all ihre Kraft für das Gebet und weniger für den Weg zur Toilette zu verbrauchen. Und dieser Weg ist hier draußen recht weit und ob Mönch oder Nomade, Tourguide oder Tourist: Jeder hat ihn irgendwann einmal zu gehen, obschon hier die Penisträger wieder einmal klar im Vorteil sind, was sich wohl von alleine erklärt.
Aber jetzt mal von vorne. Gestern früh in Ulan Bataar angekommen, haben wir nach einigem hin und her (in ganz Mongolia gibt es kein einziges Straßenschild, weshalb Straßennamen völlig unnötig sind und von den Touristen weit überschätzt werden) unser Guesthouse „Golden Gobi“ gefunden und konnten sofort am internationaleen (Backpackercommunity) Frühstück teilnehmen. Dort erklärte sich auch, warum Julia und ich auf unserer mehrstündigen Odyssee durch Ulan Baatar zuvor keinen einzigen Touristen gesehen haben. Die waren nämlich alle schon hier und brabbelten in mehr oder minder gutem Englisch (FRANZOSEN) von ihren Erfahrungen der letzten Tage. Und Erfahrungen kann man in der Mongolei unendlich viele machen, da sich hier nicht nur das Wetter, sondern auch die Landschaft hinter jedem kleinen Hügel von jetzt auf gleich völlig ändern kann.

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SO geistig und körperlich gestärkt haben Julia und ich uns gleich (wir sind ja gute Deutsche) an die Planung unserer nächsten Tage gemacht, was sich dank tatkräftiger Unterstützung der Guestmutter bald zu einem Verkaufsgespräch mit einem Guide verwandelte. Dieses verlief so gut, dass wir gleich für den nächsten Tag eine Tour gebucht haben, die uns nun im russischen Kleinbus, den wir einstimmig Comet genannt haben, in die tiefe Steppe Richtung Wüste Gobi (also für alle geografisch Ungebildeten unter euch, in den Süden der Mongolei) gebracht hat, wo ich nun hier sitze. Und einer Herde Schafe und Ziegen bei der Verrichtung des Tagesgeschäfts zusehen kann. Das ist nunmehr einen kurzen Exkurs wert. Denn was es hier zu beobachten gibt, könnte für sich genommen einen ganzen Blogeintrag füllen. Es wird nämlich gleichzeitig um Weibchen geworben, um Macht gekämpft, gefressen, getrunken, geschlafen, gef…. und sich ordentlich am Hintern gekratzt.

IMG_20140817_004739Eben all das, was wir Menschen den lieben langen Tag auch so machen. Quasi das Leben in seiner Reinform ist hier zu betrachten und ich erhebe mich quasi als beschreibender und überlegener Gott über diesem Mikrokosmos der Steppe. Und was bleibt am Ende, wenn die Herde alsbald wieder auf die Weide getrieben wird von ihr zurück? Richtig  – Scheisse, Mist, Exkremente und ein gewisser Duft in der Luft, der all das zuvor Beschriebene und vor allem letzteres beinhaltet und zu einer Kakophonie des Lebens verschmilzt.
Ihr könntet jetzt natürlich fragen, warum ich so philosophisch drauf bin. Nun, das liegt an mehreren Gründen, die ich euch noch schnell erklären möchte, bevor ich dann auch „endlich“, werdet ihr sagen für heute schließe.
Zum Einen bin ich ein wenig von der Atmosphäre hier ergriffen, von all den Eindrücken und vor Allem der Realität hier berührt. Hier sind Tod und Leben so eng miteinander verknüpft, dass man beides quasi spüren kann, riechen kann, wenn man die Nase nur weit genug in den immer wieder erfrischend aufkommenden Wind steckt. Zum Anderen bin ich selbst hier mit einem nussliebenden zweimetergroßen Niederländer namens Will unterwegs, der natürlich Vegetarier und Buddhist ist, in seinen Ansichten und Reden sehr stark an Jesus erinnert und der mich nicht nur was mein Englisch betrifft an die Grenzen meiner Argumentationsfähigkiet bringt. So viel Esoterik färbt ab!

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Vor alllem aber liegt das an der absoluten Stille und Ruhe hier draußen, die heute Nacht nur durch mein Schnarchen gestört einfach alles zu durchdringen scheint.
Bevor ich jetzt wieder abdrifte, was vielleicht auch am Schlafmangel liegt, da wir auf viel zu kleinen Metallgestellbetten in einer Jurte davon nur wenig abbekamen (Irgendjemand hat total geschnarcht“!!!!!“) gebe ich noch ein paar banalere Anekdoten zum besten:

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1. Julia hat es natürlich gleich bei der ersten Familie in der Steppe geschafft, unhöflich zu sein, was natürlich ausschließlich auf ihren guten Maniieren beruhte. Sie hat nämlich den zur Begrüßung angebotenen frischen und selbstgemachten Yogurt an mich weitergereicht, weil ich weiter wegsaß-  und damit anscheinend den Eindruck vermittelt, sie wolle ihn nicht! Obwohl sie dann durch den Guide übersetzt das Missverständnis aufzuklären versuchte, hat sie dann keinen Yogurt bekommen, weshalb ich meinen natürlich ritterlich mit ihr geteilt habe. (Das habe ich übrigens auch mit dem „Begrüßungskeks“ (einer Art getrocknetem Ziegenkäse-superhart und salzig das Ding) versucht, den ich Trottel mir genommen habe und welchen ich alleine einfach nicht runter bekommen konnte. Aber keine wollte ein Stück. Gut, man konnte auch keine Stücke abbrechen, aber naja. Ich habe den Klumpen dann unauffällig im Van verstaut und so niemanden beleidigt, obwohl es mir um die Arbeit, die die Nomaden damit hatten, schon leid tut.
2. Unser Guide ist nicht nur Guide, sondern kocht auch für uns und das garnichtmal schlecht, besonders wenn man sein eingeschränktes Equipment bedenkt. Doch da wir ja einen Vegetarier dabei haben gibt es in diesem Land das fast ausschließlich vom Fleich lebt, erschreckend wenig Fleisch für uns zu essen. Da ich auch über keinerlei Kissen verfüge, ist dem Vegetarieproblem wohl nicht quasi über Nacht beizukommen. Außerdem würde der Käsjesus, der übrigens wirklich ausnehmend nett und verdammt lustig , also eine ansonsten super Reisebegleitung ist, bestimmt bei der ersten Chance wiederauferstehen. Also eben weniger Fleisch, was solls. Wer kann schon von sich behaupten, dass er in der mongolischen Steppe den besten Tofu seines bisherigen zugegebenermaßen wenig tofubelasteten Lebens gegessen hat.

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Ich,(Literarischer Kniff, jetzt mit Ich anzufangen, cool gell!) geh jetzt dann wieder runter und hoffe auf einen gemilchten Tee bei der Gastfamilie, um mich ein wenig aufzuwärmen, denn noch ist es erfrischend kalt draußen und der Felsen auf dem ich so schön sitze hat für meinen Hintern auch negative Konsequenzen. Also, auf ins Getümmel und noch einen letzten gottgleichen Blick auf die Herde unter mir geworfen und oh, da versucht doch tatsächlich eine Ziege zu mir rauf zu kommen, vielleicht um mich von meinem Platz zu vertreiben. Quasi selbst diesen zu übernehmen,. Gott von seinem Thron zu stürzen und sich dann an den Laptop zu setzen und selbst über die niederen Kreaturen da unten in der Steppe in ihren Jurten zu bloggen!

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Was für eine verrückte Welt!!!!!!

Ulan Bataar oder auch: Positiver Kulturschock?

Abschied in Frankfurt: Hart, wirklich hart… Keine weiteren Kommentare dazu!;-)

Aber: Das Flugzeug der Mongolian Air – entgegen aller Erwartungen superluxuriös… Einen so angenehmen, leeren Flug, bei dem man die drei Mittelsitze zum Hinlegen, Schlafen und Fernsehen hat – unbezahlbar!

Gegen 4:30 Uhr Ortszeit sind wir dann gelandet. An sich ist der Flughafen weder besonders groß, noch besonders klein, weder besonders modern noch rückständig – dafür waren unsere Rucksäcke aber innerhalb von 15 Minuten auf dem Band und wir bereits durch die Kontrolle durch.

Erst der Weg per Taxi nach Ulan Bataar bringt die ersten Erkenntnisse: 1. Hier spricht wirklich niemand(!) Englisch, 2. Baustellen und Straßensanierungsarbeiten werden sehr unkompliziert gelöst – alle paar Meter sind die Straßen aufgerissen und das Steinmaterial liegt einfach zu kleinen Haufen aufgeschüttet am Ort des Geschehens – aber kein Problem, man kann ja im Zickzack um diese „Baustellchen“ herumfahren.

IMG_20140814_234117Am Dschinghis Khan Platz angekommen – wohlgemerkt morgens gegen 5:45 Uhr – der by the way wirklich sehr beeindruckend in seiner Großzügigkeit ist, erleben wir eine kleine, aber sehr erfreuliche Überraschung: Eine Hochzeitsgesellschaft eilt auf die riesigen Stufen des Stadtpalastes zu – die Braut im weißen Kleid, der Bräutigam im Anzug, und viele Hochzeitsgäste sowie scheinbar die Brauteltern in typischer nomadisch-traditioneller Klaidung. Ein spannender Gegensatz, insbesondere unerwartet um diese doch eher unchristliche Uhrzeit. Allerdings – vielleicht hat man die Location wegen des romantischen Sonnenaufgangs über der Stadt gewählt? Oder – und das ist wohl wahrscheinlicher – man will vielleicht nur die Zeit nutzen, zu der dieser Platz wirklich vollkommen menschenleer ist – bis auf uns zwei Rucksacktouristen jedenfalls;-)

IMG_20140815_001703IMG_20140815_001731Mit uns hat aber augenscheinlich niemand gerechnet, wir werden neugierig und teilweise ein bisschen skeptisch beäugt, als wären wir außergewöhnliche Wesen. Bald ist auch klar, wieso das der Fall ist: Ulan Baatar scheint vom westlichen Tourismus nahezu unberührt – es gibt weder eine zentrale Tourist Information noch eine große Innenstadtsstraße mit Geschäften und Cafés – nicht mal einen Starbucks 😉 DAS habe ich tatsächlich in keiner Großsstadt bisher erlebt! Dementsprechend – mmmmh – wie drücke ich das jetzt am besten aus – sportlich gestaltet sich auch die Suche nach dem Hostel: Nachdem kaum jemand Englisch spricht und viele Straßen keine Namen tragen, irren wir recht lange zu Fuß durch die Hauptstadt der Mongolei. Nur das Internet in einer Mall (so etwas gibt es also doch!) kann uns nach einigen anstrengenden Stunden ( okay, so kam es uns jedenfalls vor;-) zum Hostel führen. Hier werden wir gleich mit Brot und Marmelade sowie grünem Tee empfangen und kommen mit einem Franzosen und einem Israeli ins Gespräch, die sich aber ob unseres „fortgeschrittenen Alters“ (hier ist jedermann erst 22) etwas zurückhaltend zeigen. Nach langen und zähen Verhandlungen mit einem Tourguide können wir aber dann erreichen, was wir uns für die Zeit in der Mongolei vorgenommen hatten: Wir machen mit Will aus den Niederlanden, einem „Girl“ aus Korea und natürlich mit Fahrer und Guide eine Tour durch die mongolische Steppe zum Rande der Wüste Gobi, wo wir in Nomadenzelten schlafen, viel wandern und Natur bestaunen sowie eventuell Pferde bzw. sogar Kamele reiten können. Mal sehen, wie das wird – freue mich auf die kulturelle Erfahrung, habe aber die Information “ you understand – no luxury tour?! no shower and you have to pay for toilet“  mit etwas gemischten Gefühlen aufgenommen;-)

Wir berichten – natürlich mit paassenden Fotos – dann ab nächster Woche wieder an gleicher Stelle!

Bis dahin: Said Benno (oder so ähnlich);-)

 

 

„Der Backpackerrucksack ist der Kolonialhelm des 20igsten Jahrhunderts“

So hier nun auch mein erster Blogeintrag und wie beim letzten Mal wiederum von einem internationalem Flughafen direkt am Gate.

Und wiederum stelle ich fest, dass Flughäfen insbesondere die wirklich großen, eine ganz besondere Atmosphäre ausstrahlen, die den kritischen Geist zum Einen innerlich vor Ehrfurcht vor dem technischen Fortschritt unserer Zeit erbleichen lässt, zum Anderen aber auch eben diesem kritischen Part von uns, über den jeder mehr oder weniger verfügt, vor Augen führt, was an unserer „modernen Gesellschaft“ alles nicht stimmt. Das beginnt zum Beispiel damit, dass es nun automatische Passkontrollautomaten gibt, die jegliche soziale Interaktion beim Verlassen seiner Heimat nunmehr effizient unnötig macht. Bei mir hat das Gerät anscheinend erkannt, dass ich sozialen Kontakt wünsche, wenn ich mein Heimatland für längere Zeit verlasse, und bat mich deshalb per Zeichen (Lesekompetenz ist hier nicht erforderlich, obwohl man natürlich auch Zeichen lesen können muss…) und einem erschreckenden roten Blinklicht darum, einen netten Beamten aufzusuchen, der meinen Pass und damit mein papierenes Selbst, dann doch wieder auf die anständige, nämlich die händische Art behandeln musste. So durch soziale Interaktion der berauschendsten Art gestärkt ging es weiter zum Sicherheitscheck und danach zum Gate, wo mich der Aufruf nun dazu bringt, diesen Beitrag stark zu kürzen und erst wieder im „sonnigen“ Ulanbataar fortzusetzen. (sp)

Okay,okay – hier kommt doch schon der nächste Blogeintrag!

So, wenn man den ganzen Geburtstag mit den besten und liebsten Menschen verbringen dürfte und dazu noch supertolle Glückwünsche von allen Freunden und Bekannten bekommen hat, fühlt man sich überglücklich – und melancholisch…

Wie wird das nächstes Jahr sein? Wird man anknüpfen können an Freundschaften, Beziehungen? Wie sehr werden einem diese sonst so zentralen Figuren des eigenen Mikrokosmos tatsächlich fehlen? Was mache ich ohne meine Eltern, meine Brüder, meine Freunde, meine Mitbewohner, meine Nachbarn, meine Kollegen? Wen darf ich durch die Gegend fahren, und wer sagt mir, dass der Rasen mal wieder gemäht gehört? Wer leiht mir sein Sommerkleid, und wer hält mich von unüberlegten Handlungen ab? Wem darf ich die Schuhe binden oder die Steuererklärung machen? Mit wem bespricht und berät man die wichtigen Dinge des Lebens?  Klar, es gibt Skype, es gibt facebook, es gibt den Blog und natürlich auch Telefon – aber hilft das gegen das flaue Gefühl im Magen, von dem ich jetzt ja nur eine winzige Vorahnung habe?

Ich hoffe, man gewöhnt sich daran – und die vielen vielen Erfahrungen und sicher außergewöhnlichen Menschen, die man trifft, machen das alles wett… Aber daheim ist wohl tatsächlich immer da, wo die Menschen, die man liebt, sind… Auch eine schöne Einsicht: ich freue mich total auf die Reise, aber ich freue mich auch jetzt schon total auf die Heimkehr…

Mit sehr tiefgründigen Gedanken schließe ich jetzt also diesen Tag ab – mal sehen, vielleicht versorgen wir euch ja tatsächlich schon vor Ulan Baator mit weiteren lebenswichtigen (!);-) Informationen…

 

Erster Beitrag: Weltreise! WOW! Es ist wirklich so weit! Jetzt gehts los!

So, liebe Leute – hier der Startschuss für den besten Blog überhaupt!230708

Stephan und ich werden ein ganzes Jahr unterwegs sein – ein Jahr voller außergewöhnlicher Momente, spannender Erfahrungen und extremer Ausdehnung der eigenen Komfortzone – frei nach dem Motto: Kultur,  Kommerz, Kakerlaken;-)

Die momentane Route sieht so aus:

Mongolei – China-Japan-Indien-Thailand-Kambodscha-Laos-Vietnam-Malaysia-Australien-Neuseeland-Hawaii-USA-Mittelamerika/Südamerika (steht noch nicht so genau fest;-)

Das wird der Hammer! Wir feiern jetzt aber erst mal Geburtstag

( keine Sorge, noch nicht die böse 30;-) und melden uns dann aus Ulan Baator wieder;-)