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The Tiger Leaping Gorge oder: Die schönste und schrecklichste Wanderung unseres Lebens

Die Tiger Leaping Gorge ist eine berühmte chinesische Schlucht, deren Name von einer Legende inspiriert wurde, derzufolge ein Tiger dem Jäger mit einem beherzten Sprung auf einen Felsen in den reissenden Stromschnellen im Tal entkommen konnte.

Und genau diese Felsen und diese Stromschnellen, die nach Auskunft unseres schirmaufbauenden Hosts nach einer zweistündigen Wanderung zur Mittelebene und einer darauffolgenden dreistündigen Wanderung hinab zum Fluss zu erreichen wären, wollten wir heute anschauen.

Gesgat, getan – nach einem reichhaltigen Früstück ( Pfannkuchen mit Honig! Und das in China! Es leben die Naxis!) machten wir uns an den vermeintlich leichten zweistündigen Abstieg zur Mittelebene. Und dieser Abstieg war wiederum grandios, wenn auch nicht ganz so easy going wie gehofft ( Julia rutschte trotz phänomenal guten Schuhwerks aber wegen ihres fehlenden Gleichgewichtssinnes mehrmals aus und landete auf den Gott sei Dank gut gepolsterten Podex, außerdem managte sie es immer, Richtung Felswand und nicht Richtung Abgrund zu stolpern, was man ihr hoch anrechnen muss).

Wir kamen an Wasserfällen vorbei – ach was, mittendurch – und ließen uns so richtig nass plätschern.

Kein Problem beim wiederum brennenden Sonnenschein. Bei Regen wäre die überhaupt nicht gesicherte Route auch wirklich nicht zu begehen gewesen (Hier fehelen tatsächlich Schilder mit der Aufschrift: Lebensgefahr!- oder ist das jetzt zu deutsch gedacht?)

Wir bewältigten den Abstieg zwar nicht in der vorgegebenen Zeit, aber für uns in einer sehr guten zeit von knapp drei Stunden. Diese drei Stunden erklären sich auch deshalb, weil wir „Ziegen lieben“. Uns begegneten nämlich auf dem Weg wilde Ziegen, die keinerlei Anstalten machten, den Pfad zu räumen, um uns Touristen eine sichere Passage zu ermöglichen.

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Wir blieben deshalb nur allzugerne stehen, um die Ziegen ausgiebigst zu bewundern und zu streicheln. Besonders die Ziegenbabys hatten es Julia angetan. Als wir die für unsere Wanderung motivierend wirkenden Ziegen endlich hinter uns gealssen hatten, stellte Julia in einem Anflug von Tierliebe fest, dass der Weg normalerweise in zwei Stunden zu bewältigen sei, dass es aber länger dauert, wenn man Ziegen liebt, was durchaus zweideutig zu verstehen ist;-)

Von Lachkrämpfen geplagt, erreichten wir schließlich glücklich und etwas hungrig, teilweise etwas erschöpft die Mittelebene, wo wir eigentlich ein kleines Mittagessen einnehmen wollten. Da jedoch der letzte Bus zurück in die Stadt – so sagte man uns dort – bereits um 15:30 uhr abfahren würde und es bereits 12 Uhr mittags war, entschlossen wir uns, sofort zur unteren Tiger Leaping Gorge aufzubrechen.

Wir wählten den Pfad, den uns einheimische für 15 Yuan Wegegeld empfohlen, mit der Aussage dieser steile Pfad sei extra für die Touristen von local families gesichert und heregerichtet worden. Leider zeigte sich auch hier wieder einmal die unterschiedliche Definitonswahrnehmung der Wörter „begehbar“ und „gesichert“.

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Hier ging es nämlich sausteil über hölzerne Brücken, riesige Steinstufen und riesige, furchteinflößende, am Berg festgeschraubte Metalleitern in die Tiefe. Julia hatte eine leichte Panikattacke, wehslab wir entschieden, für den Aufstieg ganz sicher einen anderen Weg zu wählen.

Aber erst mal waren wir unten angekommen, wor die Wassermassen mit Riesenwucht gegen besagten Felsen und die Steilwände der Schlucht klatschen. Ein beeindruckendes Naturschauspiel, das man von verschiedenen Blickwinkeln bewundern konnte. So zahlten wir nochmals 10 Yuan pro Person, um über eine Indiana-Jones-mäßige Holzhängebrücke zu besagtem Felsen zu gelangen.

Dabei wurde uns auch aus dem Grund mulmig, dass ein Schild am Eingang zur Brücke die Touris stolz darüber informierte, dass die Regierung nichts mit dem Bau und der Wartung der Brücke zu tun habe, sondern alles von einer Einheimischen Familie gemanagt würde. In diesen Momenten darf man einfach nicht an das Geschick mancher Einheimischer beim Aufbau gewisser Sonnenschirme denken. Doch wir kamen gut drüben an, und genossen das Gefühl, auf dem Felsen die Strömung um uns herumsausen zu lassen. Tatsächlich wippte der Felsen ganz leicht hin und her, wenn ihn große Brecher trafen.

Eingedenk der schon weit fortgeschrottenen Zeit mussten wir jedoch alsbald, natürlich ohne richtige Pause, wieder aufbrechen.

Leider stellte sich nun überraschenderweise heraus, dass man die ganzen Höhenmeter, die man zuvor bergab mühevoll zurückgelegt hatte, nun würde noch mühevoller auch wieder hinaufsteigen müsse. Dass hätte man uns aber auch wirklich vorher sagen können (Naja, Julia hatte so was in ihrer Panikattacke angedeutet, aber da es am Wegesrand des Öfteren Stühle zum Rücktransport überantsrengter Touristen zu geben schien, wischte ich diese Bedenken einfach beiseite). Nachdem wir nun alles hinter uns haben, ist festzustellen, dass ein soclher Transport erstens aufgrund unseres Gewichtes und generell aufgrund der Gravitation und der fehlenden Sicherungsmaßnahemn unmöglich scheint. Wahrscheinlich sind das nur Placebos, die die einfältigen Touristen auf dem Runterweg beruhigen sollen. Bei mir hat es auf jeden Fall geklappt. Julia weigerte sich jedoch, die Leitern wieder nach oben zu steigen, so dass wir den anderen Weg hinauf mit dem klingenden Namen “ Ray of sunshine“ nahmen. Und dieser machte seinem Namen alle Ehre, da die SOnne die ganze Zeit über ungeschützt auf unsere Köpfe knallte. Nach einem kurzen Stück den Fluss entlang, währenddessen ich es nicht vermeiden konnte, die ein oder andere Bemerkung darüber zu äußern, dass der Aufsteig doch gar nicht so schlimm sei wie gedacht und dass das doch ein ganz schöner Weg sei,

hatte der Spaß jedoch plötzlich ein Loch: Es ging serpentinenartig steil in der prallen Sonne hinauf – gefühlte 5000 Höhenmeter, nee, also ehrlich eine riesiges Stück. Nach kurzem Aufsteig machten sich auch die zuvor zurückgelegten Höhenmeter und die Strecke bemerkbar: Fast zur Gänze erschöpft erreichten wir einen lokalen Verkaufsstand, der auf eine Klippe am Wegesrand gebaut wurde. Dort deckten wir uns mit Wasser ein und konnten jetzt auch mit eigenen Augen feststellen, dass es hier überall Marihuana zu kaufen gibt. Besser wre alleridngs angesichts des krasen Aufsteiges wohl Kokain (haben wir gehört;-)

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Ich unterleiß es auch nicht, bei dieser Gelegenheit mit den Einheimischen ins Gesprch zu kommen und fragte, wie lang es denn dauern würde, bis man oben angekommen sei. 30 Minuten – so die Antwort – was mich wiederum darin bestärkte, Julia herablassend anzusehen und siegesgewiss voranzuschreiten. Als sich nach 30 Minuten herausstellte, dass diese Angabe eine glatte Lüge gewesen war (da habe ich die nach 5 Minuten nötigen Pausen bei diesem steilen Aufsteig nicht eingerechnet), pfiff ich im wahrsten Sinne des Wortes aus dem letzten Loch. Die Luft stand und die Onne strahlte zu allem Übel superfreundlich und megaheiß auf uns nun weniger lustige Wandersleut hinab. Zwar durchaus Deutsche, aber nicht mit dem Namen Müller beehrt, war das Wandern nun nicht mehr des Petrys Lust, vielmehr verwandelten wir uns mit jedem Schritt in Miesepetrys. Mit den letzten Atemzügen presste ich Verwünschungen der uns fehlinformierenden Person heraus, worauf Julia, die übrigens zu diesem Zeitpuntk, an dem ich, der starke Mann mit dem großen Ego (hier synonym verwendet für meine Männlichkeit), schon fast am Ende war, sich noch überraschend fit zeigte, darauf hinwies, dass sie es erstens ja gewusst habe und zweitens die Person nichts dafür könne, dass man den Weg, den man runter geht, auf jeden Fall, egal wie lange es dauert, auch wieder rauf gehen muss. Das sei ein Naturgesetz, was sie insbesondere so genau zu wissen glaubte, weil sie etwas derartiges auch im Heinmat- und Sachunterricht vermitteln würde.

IMG_20140929_134450_1Das half mir in der momentanen Verfassung jedoch nicht weiter, so dass ich den letzten mir verbliebenen Stolz hinunterschluckte, und auf Julias Drängen hin ihr unseren prall gefüllten Rucksack übergab. Wer konnte denn wissen, dass die uns anlügende Person ihre Entfernungs- und Zeitmessung wohl bei der deutschen Bundeswehr gelernt hatte, wo ich in meiner Grundausbildung ähnliches erleben durfte.

Doch es half alles nichts: Wir waren beide fix und fertig und mitten am Hang verloren. Und dabei mussten wir doch den Bus erreichen! an Julias zu diesem Zeitpunkt ständig wiederholten Mantra: “ Stephan, mach langsam ist nicht so schlimm, wenn wir den Bus verpassen, wird halt dann etwas teurer, macht nichts!“ konnte man zum Einen erkennen, wie viel Sorgen sie sich um mich machte und zum Anderen, in was für einer schlechten Verfassung wir uns befanden. Es war schrecklich, schrecklich, schrecklich – die schlimmste Wanderung unseres Lebens. Wir schleppten uns von Stein zu Stein, und die Pausen wurden länger und länger, die dazwischen zurückgelegten Wegstrecken dafür umso kürzer. Erst als ich ominöse Fahrgeräusche von oben wahrnahm, bekam ich einen letzten Energieschub und stürmte mit dem Aufschrei: „Julia, die Straße!!!!“ voran. Und tatsächlich: Wir hatten es geschafft! Und wir erwischten sogar noch den Bus.

IMG_20140929_150611Im Bus sitzend konnte ich dann auch schon anch zwei Stunden Julia wieder darauf hnweisen, dass es doch gar nicht so schlimm gewesen sei, wie sie bei ihrer Panikattacke vermutet hatte. Die anschließende Stille sagte merh als tausend Worte und ließ mich schnurstracks kleinlaut zurückrudern. Zurück ist jetzt auch das richtige Stichwort, leigen wir nämlich schon im Hotelbett in Lijiang, das wir auch für ein Abendessen – was wiederum zeigt, wie fertig wir sind – nicht mehr verlassen werden. Morgen lassen wir es in Dali dann sehr viel ruhiger angehen, versprochen!

 

Shanghai – 100 Stockwerke oder ein Gebet bis zum Himmel

… im übertragenen und im wörtlichen Sinne!

Dieser Tag war dem Besuch von Tempeln am sehr späten Vormittag (also um etwa 14:00 Uhr) und der Visitation des einstmals zweithöchsten Hochhauses der Welt gewidmet – mittlerweile ist es nur noch auf Rang 6, aber immer noch ziemlich hoch, oder? Aber der Reihe nach. Zuerst sind wir nachdem wir gestern überraschender weise in einer Minibäckerei ein kleines Glas Marmelade für Julia auftreiben konnten, heute morgen mitten in der Nacht um 8:00 Uhr aufgestanden um das über Booking.com umsonst dazugebuchte Frühstück im Hotel zu genießen. Das hatten wir schon zuvor probiert und um 9:30 Uhr festgestellt, dass alles kalt war und die Marmelade fehlt. So europäisch vorbereitet und mit Vorfreude im Bauch (aber äußerlich immer noch von den gestrigen Meilen exausted) sind wir dann zum Frühstück gepilgert und mussten feststellen, dass hier wohl immer alles kalt ist. Auch die Marmelade konnte die Situation nicht retten, so dass wir gleich wieder zurück in unser Zimmer gegangen sind, um dort nochmals gepflegt an der Matratze zu horchen. (Später haben wir dann festgestellt, dass die Autoritäten in China dem Frühstück hier auch nicht so zugeneigt sind, da das Etablisment von der Regierungsbehörde für Gesundheitsüberwachung nur einen bösen Smily bekommen hat, den man trotzdem recht stolz direkt an der Reception ausgehängt hat (bzw. gezwungenermaßen aufhängen musste). Nun wird der ein oder andere Leser sich fragen, warum ich bei unserem Hotel hier in Shanghai von einem Etablisment spreche, ein Begriff, der ja eindeutig konotiert ist und ja, es scheint sich wiederzu bestätigen, wir haben es wieder einmal geschafft in einem besseren Bordell zu nächtigen. Dies scheint in einem Land in dem Prostitution und sogar jegliche Art der Pornografie  verboten sind, nicht ganz so einfach zu sein, aber wir haben es wieder quasi mit unserem Puffradar geschafft und nächtigen hier also in wirklich leb- und liebhaftem Ambiente. Jetzt erklärt sich auch, warum wir jede Nacht kleine visitenkartenähnliche Flyer mit bunten Bildchen drauf unter der Tür durchgeschoben bekommen.
"Weil Prostitution in China verboten ist, gibt es Nutten frei Haus!"
Beim ersten Mal ist Julia gleich mal hinter dem Typen aus dem Raum gestürmt und hat „Stop this“ geschrien, weil sie dachte, der macht das nur bei uns, weil wir Europäer sind und als solche natürlich nur hier abgestiegen sind um finanziell honorierten Beischlaf mit „armen Seelen in Not“ zu betreiben. Als sie feststellte, dass da mehrere Typen unterwegs sind und jedes Zimmer seinen Teil an Nuttenwerbung erhällt hat sie die Türe gleich wieder (inklusive Riegel) verschlossen und die Geschichte als kulturelles Missverständnis verbucht. Die leichten Damen begegnen einem übrigens hier nur Nachts auf Korridoren und im Fahrstuhl, was ich öfter feststellen durfte, weil unser WLan-Schlüssel sich in der Nacht um 0:00 Uhr oder manchmal auch erst um 01:00 Uhr umgestellt hat und wir so keinen Internetzugang mehr hatten, was natürlich unakzeptabel ist und sofort behoben werden muss. Dies war hier übrigens am ehesten, wie auch die Frage nach neuen Handtüchern, auf einer kommunikativen Ebene, die sich am besten mit dem Spiel,“ Malen und Raten“ vergleichen lässt, möglich. So wanderte ich also desöfteren tief in der Nacht im Schlafanzug mit Block und Stift bewaffnet und umgeben von verbrauchten und lakierten Schönheiten, die auf jede von einem Mann entgegengebrachte Freundlichkeit (Aufhalten des Fahrstuhles) verständlicherweise mit Argwohn reagieren, durch das „Hotel“ um mich dann zeichnerisch auszudrücken, was sich ziemlich skuril aber irgendwie auch erfahrungsreich ausnahm. So kann ich nun zum Beispiel ziemlich plastisch den Begriff „verstopftes Klo“ zeichnerisch darstellen. Ein Skill, den ich in meinem späteren Leben sicherlich häufig benötigen werde (vielleicht ja in Indien…).
Nach dem Frühstück und dem folgenden erholsamen etwas ausgeweiteten kleinen Powernape (bis 14:00 Uhr) in dem ich ziemlich wirres Zeug träumte (mein Gehirn versucht anscheinend die Erfahrungen der letzten Tage zu verarbeiten – siehe Video),
ging  es heute also los, um sich ein wenig durch die Großstadt Shanghai, die erst ab 23:00 Uhr schläft (U-Bahnen geschlossen, etc.) treiben zu lassen. Und Treiben ist hier das richtige Wort, da man sich einfach mit den Menschenmassen, die sich hier durch jede Straße und Gasse bewegen, mitschwemmen lassen kann. Als Ziel haben wir uns für heute grob den Stadtteil Pudong und die dortigen Hochhausschluchten herausgepickt und wanderten so umgeben von Menschen, Gerüchen und Geräuschen durch eine für asiatische Verhältnisse sehr aufgeräumte und saubere Stadt langsam in Richtung Bund-Sightseeing-Tunnel.
Dabei wurden wir quasi vor die Tore des Stadtgottempels den wir erst im nachhinein als dieses taoistisch Gotteshaus erkannten, gespült und ließen diese Chance nicht ungenützt. Schnell Eintritt bezahlt (um sonst gibt es in dieser Stadt, wie überall nichts) und hinein in diese Kultstätte, die trotz großem touristischen Andrang immer noch von den Einheimischen und einigen Mönchen als religiöse Stätte benutzt wird.
So vereint sich hier auf wundervolle Art Kommerz und Kontemplation zu einer Kakaophonie (Neologismus in Anlehnung an Kakophonie = süß-herbe die Sinne überfordernde Szenerie) aus Weihrauch, mystischem Singsang, Blitzlichtgewitter und Menschenmassen jedweder Colour.
So schnell wir dieses Kleinod fanden, so schnell spülte uns die Stadt auch wieder hinaus in den Alltag und weiter Richtung Bund, den wir diesmal samt Maostatue links liegen ließen (hihi) um den Fluß der den älteren Teil Shanghais vom nun neuen wirtschaftlichen Zentrum der Stadt, dem Stadtteil Pudong trennt zu unterlaufen. Der Bund-Sightseeing-Tunnel, „eine Attraktion, die sich kein Tourist hier entgehen lassen darf“, wie uns die von den Autoritäten der Stadt zur Verfügung gestellte Touristenkarte veraten hatte, ist für Fußgänger ausgelegt, kann aber nur per Minizuggondel durchfahren werden.
Er stellte sich wie vermutet als Touristennap heraus, was man aber erst drinnen erkennen konnte, so dass wir um 50 Yuan pro Person erleichtert, alsbald auf der anderen Flußseite direkt beim Orientel Pearl Tower, ankamen. Zum Tunnelerlebnis ist nur soviel zu sagen, dass die U-Bahn, die um ein 10faches günstiger gewesen wäre, sich bei jeder bisherigen Fahrt als aufregender erwiesen hat.

Der Umweg hatte aber den positiven Effekt, dass wir  für die Besichtigung nun genau zur richtigen Zeit an dem von uns ausgewählten Gebäuderießen, dem World Finanzial Center Shanghai (im Volksmund auch Flaschenöffner genannt), welcher sich genau im Herzen des Finanzweltviertels Shanghais und dem Heimatort zahlreicher eindrücklicher Wolkenkratzer befindet, ankamen.

Da hier in Pudong, drei der weltgrößten Gebäude stehen, muss man sich, wenn man ein Budgetreisender, wie wir, ist, auf einen beschränken, da hier Fantasiepreise aufgerufen werden, die stark an New Yorker-Aussichtsplattformpreise erinnern und sogar darüber . So wird auf jeden Fall sichergestellt, dass die weißnasenquote in diesen Gebäuden unproportiaonal hoch ist, da sich der normale chinesische Tourist wohl kein halbes Monatsgehalt für den Eintrittspreis der Aussichtsplattform leisten kann. Wie gesagt haben wir uns für das höchste fertige Gebäude in Shanghai entschieden, was zur Zeit der Flaschenöffner ist, da der „krumme Penis“ (Zitat von Julia – ich weiß nicht, ob sich dieser Spitzname im Volksmund [hihi] auf Dauer durchsetzen wird) noch nicht fertiggestellt worden ist. Hier betrug der Eintrittspreis auf alle Ebenen der Aussichtsplattform pro Person 180 Yuan und obwohl Julia beim Anstehen in der Warteschlange tief durchatmen musste, hat sich der Preis im Endeffekt gelohnt. Wir waren nämlich genau zur richtigen Zeit oben und konnten Shanghai und dessen beeindruckende Skyline so bei Tag und Nacht und zwischendrin auch von mystischeen Smogwolken verhüllt von der Glasgangway im 100. Stockwerk genießen.

In der Basis wird dem unbedarften Betrachter übrigens wieder einmal die Schnelligkeit der Entwicklung des Schwellenlandes China anhand der baulichen Entwicklung Shanghais, seiner Vorzeigestadt vor Augen geführt.

Um den Eintrittspreis bestmöglich zu nutzen (Julias erste Idee, das Übernachten auf der Aussichtsplattform, wurde uns untersagt) nutzten wir noch die Sanitäreinrichtungen auf der Aussichtsplattform S94 (=94 Stockwerk), was nur deshalb erwähnenswert ist, weil man hier, hebt man den Kopf ein wenig über die persönlichen Belange hinaus, den besten Blick beim Urinieren haben kann, den ich bisher bestaunen durfte. Ausserdem sind die Toiletten hier wirklich geputzt, was den Eintrittspreis ein Stück weit erklärt.

"Ich bin vielleicht das höchste Pissoir der Welt!"Im Anschluss an dieses Himmelsfahrtkommando wanderten wir wieder ein wenig in den Hochhausschluchten herum und genossen dabei die Windschübe, welche durch die Schluchten aus Glas und Beton wehten und unsere Nasen mit dem Duft von Diesel und feuchtem Asphalt verwöhnten. Natürlich war unsere Wanderung nicht ziel- aber wie so oft in letzter Zeit planlos, da wir zwei Mal an der Super Brand Mall, der größten Mall Chinas, vorbeigelaufen sind, bevor wir durch mehrmaliges Fragen herausfanden, dass diese Mall von dieser Seite des Flusses aus der Nähe betrachtet ganz anders aussieht als von der anderen Seite des Flusses.

(Zitat Julia: „Ausserdem war es ja schon dunkel!“) So haben wir quasi im kleinen das durchgemacht, was der einfache Chinese von der Straße jeden Tag durchmacht, wenn er aus seiner Sicht der Dinge, eben die Dinge um ihn herum betrachtet und sich dabei nur schwer auf die Welt um ihn herum einzustellen vermag, die sich jeden Tag zu verändern scheint und in der er nur noch Statist im großen Theater des kapitalistischen Stadtlebens ist.

IMG_20140913_190131In etwa so staunend wie der von mir bemühte, zugegebenermaßen stereotyp betrachtete (aber das macht den einfachen Mann von der Straße ja gerade eben aus:-) einfache Mann von der Straße dies wohl tun würde, wenn er die Tore dieser heiligen Hallen wie wir Weißnasen (obwohl er wohl besser gekleidet wäre als wir, die wir nun schon ziemlich lange keine Laundry mehr gefunden haben) unbehelligt passieren könnte, betrachteten wir diesen Tempel des Kapitalismus mit offenen Mündern und bestaunten wiedereinmal Spielzeuge, Autos, Parfümerien, Boutiquen, Disignergeschäfte und alle möglichen Arten von Restaurants, die zwar oft europäische Namen tragen, aber dennoch chinesisches Essen anbieten.

Dabei wurden wir wie so oft wieder einmal nur von unseren tiefsten inneren Trieben gesteuert, so dass wir nachdem wir uns beim Durchwandern einer Spielzeug-Automaten-Glitzerwelt

genug über die chinesische Kultur altariert hatten, alsbald ein Restaurant suchten, das unseren Qualitäts-Günstigkeits-Reinlichkeits-Coeffizienten am ehesten entspricht. Dabei stellten wir fest, dass auch chinesische Kaufhäuser auf jeden Fall, was das Speisen angeht, nach dem Prinzip, je höher desto preisintensiver, aufgebaut sind. So kulturell im Kommerz versöhnt, gelang es uns beginnend von ganz unten alsbald auf Ebene 6F ein passendes Restaurant zu finden, dass für uns zwar eigentlich zu teuer aber dafür um so wertiger aussah. Da sich Julia eingedenk der Eintrittspreise für das WfTS immer noch in einer Art innerer Schockstarre befand (Man stelle sich eine total erstarrte und eingefroren wirkende Kobra kurz vor dem Biss vor – ziemlich gefährlich aber momentan vor dem Sprung noch harmlos), konnten wir hier einkehren und stellten erfreut fest, dass hier echte chinesisch-italienische Fusionküche dargeboten wird, die in Sachen Kreativität und Geschmack dem Namen des Restaurants „Charme“ alle Ehre macht.

So genossen wir unser Mahl diesmal im starken Kontrast zum Dinner gestern mit einer wahnsinns Aussicht auf den Bund und wurden erst durch die Rechnung am Ende des Abends wieder ernüchtert und in den Backpackeralltag zurückgeschleudert.

Um die Sperrstunde Shanghais diesmal zu umgehen, machten wir uns nach dem Mahl und dem Versprechen meinerseits morgen zur Gänze auf alles außer Reis und Wasser zu verzichten auf den Weg zur U-Bahn und fuhren auf dem schnellsten Weg zurück in unser trautes Bordell, äh Heim in der Nähe des Bahnhofes, wo wir uns auch Morgen wieder eingebucht haben, da unsere „Bekannte“, die uns eigentlich in ihrem Gästezimmer nächtigen lassen und uns wenn wir da sind durch Shanghai führen wollte (Taharoff auf chinesisch: Sa Rah), heute auf einem Geburtstag eingeladen ist, zu dem wir, wenn wir wollen gerne uneingeladen dazustoßen können. Man geht Hotpot essen, was eine Art chinesisches Fondue ist (hält uns hier eigentlich jeder für total doof?) und teilt uns noch relativ kurzfristig mit, wo und wann man sich im Restaurant aufhällt. Nun, um Julia zu zitieren: „Da gab es wohl ein Missverständnis in der Kommunikation“, auf Grund dessen wir unseren Reiseplan umstellten, um jemanden zu treffen, der augenscheinlich keinerlei Interesse hat, uns zu treffen, bzw. es zu kompliziert findet sich einen halben Tag im Voraus festzulegen, wo man wann sein wird. Naja, da liegen anscheinend inzwischen nicht nur tausende Kilometer ,sondern auch ganz unterschiedliche Welten und Weltanschauungen zwischen den Abiturienten von einst. Mir macht das nicht viel aus, da ich Julia so länger für mich alleine habe, was ja letztlich sowieso der einzige Grund für mich war eine Weltreise zu unternehmen:-)

 

Xi´an – Touristenmaschine in Farbe und bunt

Schon in der Nacht erwachten wir heute durch den sehr starken Regen, der an unsere Fensterscheibe klatschte, und wir das aufgrund der Tatsache, dass unser Fenster auf einer Seite keine Scheibe hat, etwas beunruhigend fanden (aber klar, ihr werdet sagen, Hauptsache, ihr habt diesmal ein Fenster, bei dem Preis, und mal nicht im Bordell;-)

IMG_20140906_212127Glücklicherweise stand der Wind jedoch günstig, und deshalb blieben wir und unser Zeug trocken, was man nicht von Julias Wangen behaupten kann, die aufgrund des starken Regenfalls eine klitzekleine Panikattacke bekam. Dies ist natürlich nur der Tatsache geschuldet, dass Julia einen der fünf heiligen buddhistischen Berge in der Nähe von Xi´an besteigen wollte und dies ja nun bei strömendem Regen und null Sicht mal so gar keinen Sinn macht. Für mich stellte das kein großes Problem dar, da ich Julia die Besteigung eines ganz privaten Berges anbieten konnte, der auch eine gewisse Ähnlichkeit mit einem liegenden Buddha aufweist. Das brachte sie allerdings noch mehr zum Weinen. Erst, als wir spontan unsere Pläne für die nächsten Tage geändert hatten und ich ihr versprach, dass wir das total verregnete Xi´an auf dem schnellsten Weg in Richtung Sonne verlassen würden, beruhigte sich unsere Prinzessin wieder und war bereit, mit Jacke bewaffnet, vor die Tür zu gehen. Da ich nach zähen Verhandlungen der Herr über das Budget bin (allerdings mit Einschränkungen) konnte ich uns mit nur wenig Widerworten einen Regenschirm erstehen, so dass wir nur mäßig nass wurden.

IMG_20140906_181712Bei gefühlten 28 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von 180 % ging es auf die Suche nach einem Trainticketbüro, um unsere Zugtickets nach Shanghai schnellstmöglich buchen und somit Julia der Depression entreißen zu können. Trotz kommunikativer Schwierigkeiten (und einer mehrmaligen Blockumrundung) fanden wir schließlich das Fensterchen, hinter dem die Fahrscheine ausgegeben werden. Leider müssen wir uns für die Fahrt morgen Abend allerdings trennen, denn es gab nur noch einen softsleeper-Platz (den ich ritterlich Julia überließ), während ich auf einem hardsleeper (=Holzbrett) im Zug nächtigen bzw. die 16 Stunden im Zug verbringen darf – das wird bestimmt einmalig!

Ich habe auch schon leichte Bedenken diesbezüglich, da die Ticketverkäuferin, die übrigens überraschenderweise Englisch sprach, drei Mal in kurzer Folge fragte: „Only hardsleeper – is that okay for you?!?!“ Ich werde es mannhaft (mit Julias Matte unter dem Rücken) bewältigen und werde es als Erfahrung verbuchen. Es wird ganz spannend sein, mal ein Brett unter dem Rücken und nicht vor dem Kopf zu haben. Um mich den geruchlichen Gegebenheiten der 3. Klasse anzupassen, verzichte ich heute Abend auch auf eine Dusche, und habe vorsorglich mehrere eingelegte Knoblauchzehen verspeist.

Jetzt aber mal zu den wirklich interessanten Begebenheiten des heutigen Reisetages: Nachdem die Tickets erstanden waren, versuchte wir gleich ein Taxi zum etwa 30 km entfernten Museum der Terrakotta-Armee zu bekommen. Schon der dritte Taxifahrer schaltete dann auch tatsächlich seinen Taxameter ein, und so zahlten wir für die ganze Fahrt nur etwa 10 Euro. Da konnte sich selbst Julia mal im Taxi entspannen und war mit dem Fahrpreis fast einverstanden.

IMG_20140907_152942Am Museum angekommen, stellten wir sehr schnell fest, dass die Chinesen um diesen Hotspot altchinesischer-kaiserlicher Kultur eine Riesenanlage gebaut haben, die einerseits dazu da zu sein scheint, die Touristenmassen durch weite Wege etwas zu entzerren (wir haben schon wieder etwa 14 km zurückgelegt) und dem Besucher andererseits die Größe und die Macht Chinas monumental vor Augen führt. So könnten die Gebäude auch in Hitlers Germania ihren Platz finden, also falls es das gäbe, was Gott sei Dank nicht der Fall ist.

IMG_20140907_161517Wie beim letzten Mal fand ich die eigentliche Attraktion – die Terrakotta-Armee des ersten chinesischen Kaisers (Zitat Julia: “ Der hatte doch nen Knall!“) ganz nett und konnte meiner begierig lauschenden Gattin allerhand Wissenswertes und so manches weniger Wissenswerte über die Anlage und die Krieger berichten. Es ist schon beeindruckend, wie viel Aufwand vor über 2200 Jahren betrieben wurde, um einen Herrscher zufrieden zu stellen. So findet man unter den etwa 8000 Kriegern keine zwei mit dem selben Gesicht. Das „Achte Weltwunder“, wie die Chinesen es überall zu nennen pflegen, ist wirklich sehenswert und ganz oben auf der To-Do-Liste, wenn man sich in Xi´an befindet.

Übrigens haben wir, als wir im Museum ankamen, nicht zuerst die Terrakotta-Armee und nicht das Museum und erst recht nicht die dort momentan gastierende Wanderausstellung zu den Etruskern besucht, sondern als allererstes natürlich das dort befindliche Nudelrestaurant. Allerdings lag das daran, dass es bereits 14:30 Uhr war und wir bis dato noch keinen Bissen gegessen und keinen Schluck getrunken hatten – da der gebildete Mensch weiß, dass laut Maslow immer erst die niedrigsten Bedürfnisse befriedigt werden müssen, kommt sozusagen das Fressen vor der Moral und in diesem Fall eben vor der Kultur;-)

Da die Chinesen ja auch die Nudel erfunden haben, war der Verzehr der selbigen im musealen Umfeld durchaus ein kultureller Akt (Zitat Julia: „Würg, Herr Geschichtslehrer labert schon wieder!“)

Weniger von Kultur geprägt war dann der erste Eindruck in der Grube 1 der Anlage. Hier drängten sich Massen von Chinesen (Zitat Julia: „Da muss irgendwo ein Nest sein!“ und „Die Chinesen sind ja leider gar nicht so klein, wie ich gedacht hab, da kann ich gar nicht drüber schauen!“-Zitat Stephan: “ Du bist ja auch nicht grad die Größte!“ (Julia wieder: „Da redet ja der Richtige!“) – es waren fast mehr Besucher als Terrakotta-Krieger in der riesigen Halle. Schon im Drängeln geübt, kämpften wir uns trotzdem ganz nach vorne durch, um den besten Blick auf die Details der Ton-Krieger zu ergattern und wurden so Teil der fanatisierten Fotomasse.

IMG_20140907_153430Auch die anderen Gruben wurden dann besucht (Zitat enttäuschte Julia: „Aber im Reiseführer steht, in Grube 2 kann man Archäologen bei der Arbeit beobachten!“ )

Nachdem ich Julia davon überzeugt hatte, dass es wenig Sinn hat, den Marco Polo-Verlag aufgrund der Fehlinformationen ( der Eintritt kostet übrigens auch nicht mehr 90 Yuan, sondern jetzt 150 Yuan pro Person, Zitat Julia: “ Ich will die Anlage nicht kaufen, sondern nur besichtigen!“ ) zu verklagen, machten wir uns langsam auf den Rückweg, der uns aber an einem Rundum-Kino vorbei führte, indem man zum ersten Mal an diesem Tag ein wenig kommunistischen Charme bewundern konnte. In diesem Kino gab es nämlich RUNDUM-Leinwände, die alle mit ratternden alten Projektoren bespielt wurden, so dass das Kino nicht wegen der gezeigten Dokumentation sondern vielmehr wegen seines einzigartigen Charmes sehenswert war.

Total geplättet wanderten wir zombieartig hinter den chinesischen Touristengruppen her und verließen uns dabei völlig auf die Intelligenz der Masse. Und wir wurden belohnt: Erfreulicherweise kamen wir so zum Busbahnhof und konnten einen öffentlichen Bus zurück in die Stadt nehmen (Tagesbudget wenigstens fast gerettet). Im Bus wurde zur Unterhaltung erst eine chinesische Variante von „Alarm für Cobra 11“, dann aber der Film „Terminator 3“ gezeigt, was Julia beides leider verpasst hat, da die Frau, die in Autos und Bussen niemals schlafen kann (Zitat Julia) – nachdem sie mir noch versichert hatte, gar nicht müde zu sein – nach gefühlten 20 Sekunden Fahrzeit selig an meiner Schulter schlummerte.

IMG_20140907_173617So kamen wir also am Nordtor der Altstadt wieder in Xi´an an und entschlossen uns, nochmals zu Fuß bis in das arabische Viertel, das bei Nacht besonders schön sein sollte, zu laufen. Aber auch der Glockenturm und der Trommelturm sind so herrlich beleuchtet, dass man fast über den Kitsch-Charakter der Inszenierung hinwegsehen kann.

IMG_20140907_194137Um den Tag zirkulär zu gestalten, was nach den Feng Shui-Regeln – so nehme ich jedenfalls an – wünschenswert ist, beendeten wir unseren heutigen Ausflug wieder mit Essen;-) So genossen wir verschiedene Lebensmittel an Spießen und bewegten uns so ein weiteres Mal lukullisch durch das arabische Viertel, das mit witzigen asiatischen Muslimen gefüllt ist.

IMG_20140907_195701Zu guter Letzt ließen wir uns ganz feudal von einem männlichen Tuktuk-Rikscha-Motorrollerfahrer (alle weiblichen Fahrerinnen, die wir gefragt hatten, hatten wohl Angst vor uns Europäern und erfanden Ausreden, weshalb sie uns nicht fahren konnten) nach Hause bringen. Hier stellte sich wieder heraus, dass man in China unbedingt eine Hotelkarte braucht, auf der die Adresse in chinesisch und zur Not die Telefonnummer der Betreiber steht, damit man nicht verloren geht und nie wieder heim findet.

IMG_20140907_205302Bei einem Fahrpreis von 20 Yuan (2 Euro) konnte selbst Julia nicht meckern und gab endlich zu, dass ihre Füße auch keine Lust mehr auf noch mehr Laufen hätten. So schließe ich heute diesen Bericht wiederum zirkulär und verweise zum Abschluss auf den immer noch leichten Regen, der laut wetter.com die ganze Woche weiter fortbestehen wird. Ich bin gespannt, aber dann auf alle Fälle nicht mehr hier;-)

GOTTSEIDANK SIND DINOSAURIER MOSTLY leiser als Kamele (weil sie bereits lange ausgestorben sind)

Heute haben wir unseren heimeligen und kaum touristischen Standort (;-) nahe der Sanddünen, die Julia und ich trotz größter Anstrengung nicht ganz besteigen konnten, verlassen. Da unsere äußerst sportlichen Mitreisenden jedoch den Gipfel auch nur auf Händen und Knien erreichen konnten, war eine lange Pause, die bis zur Rückkehr unserer Begleiter dauerte, eine durchaus wohlüberlegte und trotz des schönen Sonnenuntergangs, den es zu sehen gegeben hätte, eine weise Entscheidung. Am Ende unserer langen Reise würden wir es vielleicht auch schaffen – Mal sehen.

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Leider mussten wir am Ende der Wanderung den süßen zahmen Hund alleine in den Dünen zurücklassen, das uns „anvertraute/untergeschobene“ ritalinbenötigende mongolische Kind mussten wir hingegen leider wieder mit ins Camp nehmen, da sein Verschwinden wahrscheinlich aufgefallen und uns Langnasen zur Last gelegt worden wäre. Wenigstens war Julia durch die soeben überstanden Strapatzen trotz der bescheidenen Bettstatt so müde, dass sie bis 5 Uhr fast durchgängig „ausschlafen“ konnte. Heute beklagte sie sich hauptsächlich nur über die üblichen Rückenschmerzen (bumpy roads) und einen roten Hintern, für den ich ausnahmsweise nicht, sondern die Kamele, die übrigens wirklich stinken, verantwortlich sind. Aber wer kommt schon auf die Idee die Viecher zu reiten. Na gut die Araber, aber die spinnen ja eh! (Der Hintern tut ihr übrigens immer noch weh. Ob er noch rot ist kann ich nicht sagen, aber Julia betreibt schon seit Tagen Paviankörperpflege bei mir, was zu diesem Bild durchaus passen würde.)

IMG_20140819_105304Nach diesem Exkurs in unsere duschfreie Körperpflege zurück zum Tagesgeschäft („Tages-Geschehen bitte, sonst kommt das blöd rüber!“)
Nach einem sehr gesunden Frühstück (Müsli, sehr mongolisch!) machten wir uns wieder mit unserem scheinbar unkaputtbaren russischen Minivan auf den Weg Richtung Red Cliffes, dem mongolischen Dinosauriertal. Hier von Straßen zu reden wäre eine Farce, weshalb der Spruch „on the road again“ hier doch eher unpassend erscheint.

IMG_20140821_042952Mit dem Ausspruch „Hoffentlich sind die Dinosaurier nicht so laut wie die Kamele!“ ging es also los und über Huckel, Hügel und Berge weiter auf mongolischen Wegen, die zwar eher wahllos strukturiert, aber stets ans Ziel zu führen scheinen. Als wir uns gerade im Van darüber ausließen, wie stabil dieser doch sei, hatten wir natürlich eine Panne, was Julias Hang zum Aberglauben wieder einmal bestärkte.

IMG_20140821_043358Wie bei russischen Vans aber so üblich, war alles schnell mit Hilfe von etwas Kleber und Panzertape behoben, so dass wir bald die Kleinstadt (400 Einwohner, was für mongolische Verhältnisse wirklich groß ist) erreichten, in der es eine öffentliche Dusche geben sollte.

IMG_20140821_073235Natürlich war diese geschlossen, was uns nicht wirklich schocken konnte, da wir ja erstens Sterilium, zweitens Babaywaschtücher und drittens vom Sand verstopfte Nasen hatten. Nach einem kurzen „Einkaufsbummel“ in der „Einkaufsstraße“

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der Region und einem Lunch bei einer dem Guide bekannten Familie in einem richtigen, wenn auch schiefen Haus
(Na, die hätten wirklich das duale Ausbildungssystem in der Mongolei einführen sollen)

IMG_20140821_094228fuhren wir dann weiter zu den Redcliffes, wo man schon 1923 Dinausaurierknochen gefunden hat und diese dann natürlich direkt damals noch per Kamelkarawane über China in die USA verschifft hatte. Julia war trotz atemberaubender Kulisse sehr enttäuscht darüber, dass es im Dinosauriertal keine Dinos gibt – bei jeder Schulklasse hätte dieser Umstand zu einer Meuterei geführt… Die Mongolen sind halt kreativ bei der Benennung der Sights, deshalb halten wir uns jetzt an die zweite offizielle Bezeichnung der herrlichen Felsenkulisse; „Flaming Cliffs“.

IMG_20140821_102534Diese brennen zwar nicht, sind aber aufgrund ihrer Eisenhaltigkeit und dem entstehenden Rost rot gefärbt und wirken wie aus einer anderen Zeit, so dass durchaus eine prähistorische Stimmung bei uns aufkam.

IMG_20140821_103330Außerdem stellten wir wieder einmal fest, dass es in der Mongolei wirklich keinerlei Sicherheitsvorkehrungen gibt und man die Touristen bei ihren Wanderungen hier noch ihrem gesunden Menschenverstand und ihrem hoffentlich vorhandenen Selbsterhaltungstrrieb überlässt.

IMG_20140821_105425Da Julia vor allem Ersteres manchmal vermissen lässt, musste ich sie heroisch retten, weil sie unbedingt auprobieren wollte, ob die nicht sehr stabil wirkenden Überhangklippen aus dem porösen Material tatsächlich brechen und hinabstürzen würden, wenn dicke Toruisten darauf steigen. Ich konnte sie davon überzeugen, mir ihre Hand vorher zu reichen, und habe sie nur so im letzten Moment noch hinaufreißen und vor dem Absturz bewahren können (@mitlesende Mütter: leichte Übertreibung;-)
Am Ende haben wir dann doch noch einige paläontologische Überbleibsel, nämlich halb im Gestein verborgene Dino-Eier entdeckt,

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was Julia so weit zufriedenstellte, dass sie sich mit einiger Mühe zurück in den Van bugsieren ließ, wo sie den Guide zum wiederholten Male damit nervte, ihn zu fragen, wo denn nun hier die Dinosaurier seien – ein Witz, den dieser sicher noch nie zu hören bekommen hat. Ohnehin beschwert sich Julia ständig über alles, und ich bin supertapfer (aber wehe, man verlangt von ihm in Deutschland auf einen nicht perfeten Lattenrost zu schlafen oder zehn Meter zu Fuß zu gehen- das geht gar nicht 😉 [Kommentar Julia]
Ohnehin ist in der Mongolei vieles anders! So ist bis hierher in die Steppe die Info über die Existenz von Matratzen oder Toiletten nicht vorgedrungen – aber wir haben uns jetzt echt fast dran gewöhnt. Nur, als ich heute vorschlug, noch eine weitere Woche in der Wildnis zu verbringen, kam es fast zum Aufstand. Wir konnten uns zunächst auf zwei Tage Ulan Baator einigen (kommt eben immer darauf an, wie man Wildnis definiert;-)

Gen Abend haben wir dann wieder ein Gercamp einer Familie aufgesucht und uns mehr oder weniger (je nachdem wen man fragt) häuslich eingerichtet.

IMG_20140821_134335Beim Dinner haben wir dann mit unserem Guide Otkor, der einen Bruder hat, der in Nürnberg lebt, über die Vorzüge der Civilisation im Allgemeinen, und Deutschlands im Besonderen gesprochen. Dabei führte Otkor uns wiedereinmal vor Augen, wie gut es uns geht, als er uns aus seiner mongolischen Sichtweise von seinen Besuchen in Deutschland, dem Land der Nörgler, erzählte und dabei über fast alles ins Schwärmen geriet. Besonders Schwimmbäder und, da kann ich ihn voll und ganz verstehen, Hot tubs haben es ihm angetan. Einfach so ins Wasser springen zu können, wenn man das will, ist halt ein Luxus, den man erst richtig zu schätzen weiß, wenn man die Wüste besucht hat. Er der hier aufgewachsen ist, ist ganz fasziniert von uns Deutschen, unserer Pünktlichkeit, unserer Arbeitsmoral und unsern – na was denkt ihr? Klar, Straßen!
Während dieses Gesprächs kam übrigens die mir völlig unbekannte Tatsache zu Tage, dass Koreaner in ihrer Sprache ein deutsches Wort entlehnt haben (aufgenommen). Dabei handelt es sich nicht um Blitzkrieg, damit hatten die Koreaner ja auch wenig zu tun, sondern um das schöne Wort „Arbeit“. So nennen die Koreaner nämlich einen Halbtagsjob ohne notwendige Ausbildung, was recht viel über die koreanische Meinung über unsere „Arbeits“moral aussagt. Da die Koreaner aber wie wir Deutschen als Complaining people bekannt sind, muss man auf diesen Umstand nicht viel geben. Übrigens haben wir festgestellt, dass nicht Ha Tong sondern Julia die Koreanerin unserer kleinen Reise-Gruppe ist, da sie sich über viel mehr beschwert als unsere richtige Koreanerin. Diesen Umstand hat sie übrigens selbst so festgestellt und sich damit insbesondere bei Ha Tong sehr beliebt gemacht. Natürlich war das nur ein Scherz, den unsere Mitreisenden auch als solchen verstanden, so dass keine spontane Hetzjagd mit anschließender Steinigung nötig war, um die Situation zu bereinigen.
Die Situation bereinigen wollte ich übrigens heute nacht auch, als ich nochmals 15 Minuten Spaziergang in völliger und ich meine damit wirklich völliger Dunkelheit unternahm, um mein Toilettenpapier zu verbrennen.

IMG_20140821_112009Ich Trottel hatte nämlich beim ersten Toilettengang (und hier hat das wirklich mit gehen zu tun, da das hiesige Toilettenhäuschen so stinkt, dass man lieber die nächsten Freiluftmöglichkeiten (Hügel in 10 Minuten Entfernung) aufsucht) das Feuerzeug vergessen. Der Boden war zu hart um ein Loch zu graben und um Feuer auf Indianerart zu machen fehlte mir ebenso die Zeit, wie das Equipment und auch die Kenntnis, so dass ich eben versuchte mir die Richtung zu merken und zurückkam, um alles zu bereinigen. Doch der gemeine Mongoleitourist und dazu gehöre ich nunmal, findet sich in der dunklen Steppe nicht so gut zurecht, so dass ich mich ziemlich verlaufen habe. Zu meiner Rettung muss ich aber feststellen, dass ich erst aufgegeben habe zu suchen, als ich von Augen beobachtet wurde, die von meiner kleinen Taschenlampe angestrahlt sogleich verschwanden. Ob Wolf oder wilder Wüstenhund, das war genug für mein ökologisches Gewissen und ich machte mich unverrichteter Dinge auf den Rückweg. Leichte Bedenken im Hinterkopf, ob eine so weite Wanderung für einen Toilettengang mitten in der Nacht wirklich sinnvoll war, beschleunigte ich meine Schritte in die Richtung, in welcher ich das Lager vermutete und stieß dabei auf einen grusseligen Platz, über dessen Zweck ich nur Vermutungen anstellen kann, welche von satanistischen Messen über Tierfriedhof bis hin zu ordentlich aufbewahrten Küchenabfällen reichen.

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So weiter motiviert ging ich noch ein wenig schneller und fand als bald das sprichwörtliche Licht, hier nicht im Tunnel sondern eben in der Steppe, das mich nach Hause führte. Sogleich musste ich mein eben überstandenes Abenteuer erzählen, was dazu führte, dass Julia mich nun wohl wecken wird, wenn sie Nachts mal kurz das Pferd suchen geht. (Mongolische Redewendung für den Toilettengang in der Steppe)
Nun das ist mir auch lieber, da ich euch allen ja versprochen habe unsere Prinzessin wieder gesund zurückzubringen, und gesund heißt, da bin ich ziemlich sicher, nicht von einem Hund/Wolf gefressen zu werden!

TAG 4 in der Mongolei – „Today just bumpy roads!“

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So, am 4. Tag im Land Dschinghis Khans – und auf den sind die Leute hier auch heute noch sehr stolz – ging es im Süden der Wüste Gobi für uns weiter in Richtung Sanddunes.

Weitergehen meint hier das Befahren von „Straßen“, die man in Europa zurecht nicht mal als schlimme Feldwege im Wald bezeichnen würde. Unser Guide Otgor nennt die Wege, die als solche oft nicht mal zu erkennen oder gar existent sind, trotzdem Straßen, und warnt uns – mit einem Lächeln- vor „today, only seven hours of bumpy roads!“ Übersetzt heißt das so viel wie: Haltet euch fest ( von Gurten hat hier nämlich auch noch nie jemand gehört);-) Also lassen wir uns mal so richtig durchschütteln… Und der gemeine Mongole hält, was er verspricht, was zugegebenermaßen für unser aller Rücken doch eine herausforderung war ( interessant; Julia ist aber trotzdem nicht schlecht geworden!)

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Wenn man sich stets festhalten muss, ist Schlafen allerdings auch keine valide Option, was dem offenen Geist jedoch Zeit zum Schweifen lässt. Und dabei, oder einfach auch,, weil das Gehirm mal wieder so richtig durchgeschüttelt wurde, sind mir folgende circa 10 Dinge aufgefallen, die die Mongolei für mich ausmachen:

1. In der Mongolei haben nur Hunde Namen. Frag also nicht nach dem Namen eines Nutztieres, da dich der gemeine Mongole dann erst unverständig anschaut und dann später herzhaft über dich lacht.

2. Das Hauptfortbewegungsmittel in der Mongolei sind nicht mehr Pferde, sondern russische Mininvans und Motorräder auch russischer Bauart, aufgemotzt mit Teppichen. Man reitet aber auch weiterhin fleißig auf allem, was 4 Beine hat.

3. Die Landschaft in der Mongolei wechselt während der Fahrt genau so schnell wie das Wetter – hinter jeder Ecke kann beides sich komplett verändern.

4. In der ganzen Mongolei gibt es außerhalb UB höchstens 14 Toiletten für 1,5 Millionen menschen ( auf einer Fläche, die etwa drei Mal so groß ist wie die Bundesrepublik) Deshalb macht jeder einfach da, wo er ein Plätzchen findet.

5. Von allen Hinterlassenschaften, die man hier finden kann, und dass sind wirklich viele außergewöhnlichster Art und Größe (von klein nach groß geordnet: Pikas, Goats, sheep, horses, camels…) ist nur eine zur Gänze unnütz und muffelt am stärksten – wie sollte es anders sein – die des Menschen.

6. Es gibt circa 3 Millionen Mongolen, wovon ungefähr 1,6 Millionen in UB (so nennen die wirklich „coolen“ Backpacker Ulan Baatar) wohnen, was dazu führt, dass dieses Land fast zur Gänze leer zu sein scheint. Das gilt übrigens auch für Touristen, die einem auf der countryside nur sehr selten begegnen.

7. Die Mongolen sind zwar nicht die freundlichsten Menschen, aber dafür die gelassensten, die oft mit entblößtem Bauch in einer Toilettenhockstellung herumsitzen, die Europäern sportliche Schwierigkeiten bereiten würde, und einfach mal nichts tun. Nichtstun ist hier wirklich beliebt, was wahrscheinlich auch an den fehlenden Möglichkeiten liegt. Natürlich arbeiten die Leute auf dem land sehr hart, aber ihr wisst schon, was ich meine.

8. Die mongolische Wüste verfügt nur über eine geringe Anzahl von Dünen, die adäquat in die Landschaft eingepasst zwar schön und sehenswert, aber nicht unbedingt beeindruckend sind. Aber das wird die globale Erwärmung, die unser niederländischer Begleiter übrigens für eine große, verschwörerische Lüge hält, um die Massen ruhig zu halten, wahrscheinlich noch richten.

9. Am sehenswertesten in der Mongolei ist Julia, aber das ist nicht wirklich länderspezifisch.

10. Jedes Ger (Jurte) verfügt heutzutage übrigens oft dank deutscher Technologie über ein Solarpaneel und somit über Strom, was dazu geführt hat, dass selbst i der tiefsten Steppe nun stets der Fernseher läuft und sich des Nachts die Geräusche schlecht nachvertonter chinesischer Soaps mit denen der Tiere und des Windes vermengen. Es lebe die Technik!

11. Bereist man die noch nicht wirklich touristisch erschlossene Mongolei, sollte man stets gut vorbereitete, campingerfahrene und sehr nette Mitreisende finden, die die Tour philosophisch bereichern und sich so wenig „korean“ wie möglich verhalten (Privatscherz)

12. Fermentierte Pferdemilch ist wesentlich ekliger als fermentierte Kamelmilch, was man nicht glauben würde, wenn man die Hinterteile beider Tiere und deren Geruch miteinander vergleicht. Die Milch heißt hier auf jeden Fall „Airak“, haben in etwa5 % Alkohol(je nachdem, wie lange es schon gegammelt hat) und wird von morgens bis abends von ganz jung bis ganz alt getrunken. Auf den Geschmack ist dies, so glaube ich mit meinem europäischen Gaumen sagen zu können, nicht zurückzuführen.

13. Die melancholische Musik von Eddie Vedder (Pearl Jam) passt perfekt zur abendlichen Stimmung in der Wüste und zum Geschrei der Kamele.

14. Trinkt nichts, was aus Milch gemacht wird, ohne vorher nachzuschlagen, was das Wort „brucellosis“ bedeutet!;-)

Wieder ein Tag in der Steppe – oder: „Did the bug rape you? – Just a little bit!“

Nach den gestrigen Ergüssen halte ich mich heute ein wenig kürzer: Wüste…und das könnte es auch schon gewesen sein, aber ich weiß ihr wollt mehr und eventuell ist das der letzte direkte Eintrag von diesem wirklich beeindruckenden Tripp, da die Batterie bald zur Neige geht. Zwar haben die Nomaden hier über Solarpaneele Elektrizität in ihren Gers, aber wer hat schon mal versucht einen Laptop direkt an eine Autobatterie anzuschließen?

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Wir haben heute wieder viel erlebt, weshalb sich die bisherigen drei Tage (Wahnsinn, erst so kurz!!!) wie Wochen anfühlen. Die Mongolei ist einfach wunderschön und nach jedem Hügel kann sich die Landschaft von jetzt auf gleich ändern! Und das Beste ist, es scheint fast so, als ob unsere kleine Gruppe die einzigen Touristen weit und breit wären. Gestern sind uns den ganzen Tag über nur zwei andere russische Vans, die übrigens hier immer noch produziert und für schlappe 3000 Dollar zu haben sind, begegnet. Davon war einer von oben bis unten mit Mongolen geefüllt und nur der zweite brachte drei Touristen zu dem Hotspot (Weiße Klippen) den wir gerade im Begriff waren zu verlassen. „That place is really beautiful, but quite crowded!“

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Ein Wahnsinnsanblick sind die Klippen schon gewesen, die eigentlich eher rot als weiß mitten in der Wüste zu liegen scheinen und auf Entdecker, wie uns, warten. Und man fühlt sich wirklich ein wenig wie ein kolonialer Entdecker, wenn man völlig ungesichert an Klippenrändern steht (Guide:“Stephen, don´t kill yourself!“) oder über eine völlig versandete Schlucht in die Tiefe wandert, um unten angekommen das soeben todesmutig überwundene Terrain nun aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten.

IMG_20140817_094858Neuer Blickwinkel ist übrigens ein gutes Stichwort, denn davon gab es auch im übertragenen Sinn gestern einige zu erringen. So haben wir zum Beispiel die größte Toilette der Welt benutzt und dabei festgestellt, dass das Verbrennen von benutztem Toilettenpapier schwieriger ist als gedacht. Außerdem ist der Sternenhimmel hier draußen in der Wüste wirklich einzigartig. Für alle Astronomen unter euch oder die, die es noch werden wollen: 0 % Lichtverschmutzung…
Des weiteren ist im freien Schlafen in der Wüste zwar durchaus möglich, wegen der eventuell auf einen Snack vorbeikommenden Wölfe aber wenig empfehlenswert. Hier hatte besonders Julia eine tiefergehende Erkenntnis über den Sinn und Unsinn von Guarddogs in dieser Region, die zwar vorletzte Nacht ständig gebellt haben aber damit wohl auch im Gegensatz zu heute Nacht die hungrigen Hundevorväter fern gehalten haben. Unsere koreanische outdoor- und campingliebende Begleiterin Hanto überdachte deshalb nach sehr kurzem Zögern ihre spontane Entscheidung unter dem Sternenhimmel zu nächtigen und schloss sich uns im Ger an, wo es heute galt, auf Holzpritschen zu schlafen, die unserer Prinzessin schwer zusetzten. „Nächste Nacht schlaf ich im Auto!“ Aber Julia hält durch und findet die Mongolei durchaus, wie sag ich es jetzt, interessant!
Aber leben möchte Sie hier nicht auf Dauer und da stimme ich ihr uneingeschränkt zu.
Das Abendessen übrigens aus selbstgemachten mongolischen Nudeln und getrocknetem Ziegenfleisch hat Julia besser weggesteckt als ich, wahrscheinlich, weil ich in einem unbedachten Moment dabei zugesehen habe, wie diese hier sehr typische Mahlzeit zubereitet wurde. Ich erspar euch die Einzelheiten, aber ich habe unseren guten Vegetarier und sagt das bitte nicht weiter dieses eine Mal fast um seinen fleischlosen Teller beneidet.

CAM01458Es war wie alles hier auf jeden Fall eine Erfahrung. Eine Erfahrung, die uns nicht nur etwas über dieses Land und die Menschen hier, sondern auch über uns selbst einiges beibringt und manches in den Köpfen zurechtrückt, was man sich darin so schön zurechtgelegt hat.
Die Menschen hier sind übrigens durchaus glücklich mit ihrem Leben, obwohl die Frau bei der wir heute wohnen durften zur Zeit ganz alleine hier draußen ist, da ihr Mann mit den Tieren (außer den Kamelen) aufgrund des diesjährigen harten Winters und dem damit einhergehenden Wassermangels im Sommer in ein etwas grüneres Gebiet ziehen musste. Obwohl allein unter Wölfen scheint sie durchaus zufrieden zu sein und lächelt uns entweder an oder schaut uns wie eine Kuriosität die es müde zu belächeln gilt an und trägt dabei einen Habitus der Ruhe und Gelassenheit zur Schau, von dem wir Europäer, die wir unser Auto waschen müssen und zur Arbeit gehen und ins Kino, etc., durchaus etwas lernen können. So genug lamentiert, ihr merkt die Einsamkeit insbesondere am Morgen. Julia schläft ein wenig auf meinem  Schlafsack, damit sie wenigstens noch eine Stunde Schlaf bekommt, macht mich philosophisch.

CAM01305Ach ja – Julia hatte heute noch ein spannendes Erlebnis mit Insekten – ihr wisst ja alle, dass Julia Tiere sehr liebt, aber ganz und gr nicht unsere sehr kleinen, teils haarigen oder chitinlastigen Begleiter. Und heute hatte sich tatsächlich ein zugegebenermaßen recht großer schwarzweißer Käfer für etwa 40 Minuten in ihrem Hosenbein versteckt und kam dann herausspaziert – was natürlich einen halben Panikanfall und wilde Kontrollmaßnahmen nach sich zog. Will fragte sie freundlich: „Did the bug rape you?“ – und sie tatsächlich: „Yes, a little bit!“ Da muss unsere Prinzessin aber noch etwas weniger sensibel werden,w as Insekten angeht, denke ich;-)
Wieder zurück zum business as usual, das Toilettenpapier geschnappt, das Toilettenfeuerzeug verstaut und passende Stelle zum… gesucht.

Die Surrealität der Steppe oder, wie sich ein Schaf den A… kratzt!

Nach einer längeren erzwungenen Pause („In der Steppe finde ich einfach kein unverschlüsseltes W-Lan!!“) , hier nun die Fortsetzung unseres Mongolien-Trips. Ich sitze gerade um 6:00 Uhr Ortszeit auf einem Felsen mitten in der Mongolischen Steppe.

IMG_20140816_063329Unter mir erwachen die Goats und Schafe der Familie, bei der wir in den Jurten geschlafen haben, langsam und auch die sogenannten Gers unter mir liegen noch ganz verschlafen und still da. Hier in der Steppe beginnt der Tag spät, aber dafür sind die frühen Morgenstunden um so ruhiger. Irgendwie wirkt es surreal hier zu sitzen, dem Sonnenaufgang zuzusehen und vorgestern noch in Deutschland mitten im Leben gewesen zu sein. Hier in der mongolischen Steppe laufen die Uhren langsamer. Das ist auch verständlich, wenn man die „Straßen“ in dieser Region betrachtet und dabei zu verstehen beginnt, dass selbst der Weg zum nächsten Kloster, dass eigentlich nur 30 Minuten Luftlinie von einem entfernt ist, etliche Stunden aufreibender Fahrt bedeutet. Da muss einem das morgendliche Gebet schon einiges Wert sein. Deshalb ist es auch verständlich, dass sich die „restoring buddhism in mongolia“ Bewegung nur langsam durchzusetzen beginnt.

IMG_20140816_093153 IMG_20140816_093302 IMG_20140816_092408 Die Mönche hingegen gehen mit dem Zahn der Zeit und fahren innerhalb ihres Klosters im Nirgendwo auf elektrischen Einrädern durch die Gegend, wahrscheinlich um all ihre Kraft für das Gebet und weniger für den Weg zur Toilette zu verbrauchen. Und dieser Weg ist hier draußen recht weit und ob Mönch oder Nomade, Tourguide oder Tourist: Jeder hat ihn irgendwann einmal zu gehen, obschon hier die Penisträger wieder einmal klar im Vorteil sind, was sich wohl von alleine erklärt.
Aber jetzt mal von vorne. Gestern früh in Ulan Bataar angekommen, haben wir nach einigem hin und her (in ganz Mongolia gibt es kein einziges Straßenschild, weshalb Straßennamen völlig unnötig sind und von den Touristen weit überschätzt werden) unser Guesthouse „Golden Gobi“ gefunden und konnten sofort am internationaleen (Backpackercommunity) Frühstück teilnehmen. Dort erklärte sich auch, warum Julia und ich auf unserer mehrstündigen Odyssee durch Ulan Baatar zuvor keinen einzigen Touristen gesehen haben. Die waren nämlich alle schon hier und brabbelten in mehr oder minder gutem Englisch (FRANZOSEN) von ihren Erfahrungen der letzten Tage. Und Erfahrungen kann man in der Mongolei unendlich viele machen, da sich hier nicht nur das Wetter, sondern auch die Landschaft hinter jedem kleinen Hügel von jetzt auf gleich völlig ändern kann.

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SO geistig und körperlich gestärkt haben Julia und ich uns gleich (wir sind ja gute Deutsche) an die Planung unserer nächsten Tage gemacht, was sich dank tatkräftiger Unterstützung der Guestmutter bald zu einem Verkaufsgespräch mit einem Guide verwandelte. Dieses verlief so gut, dass wir gleich für den nächsten Tag eine Tour gebucht haben, die uns nun im russischen Kleinbus, den wir einstimmig Comet genannt haben, in die tiefe Steppe Richtung Wüste Gobi (also für alle geografisch Ungebildeten unter euch, in den Süden der Mongolei) gebracht hat, wo ich nun hier sitze. Und einer Herde Schafe und Ziegen bei der Verrichtung des Tagesgeschäfts zusehen kann. Das ist nunmehr einen kurzen Exkurs wert. Denn was es hier zu beobachten gibt, könnte für sich genommen einen ganzen Blogeintrag füllen. Es wird nämlich gleichzeitig um Weibchen geworben, um Macht gekämpft, gefressen, getrunken, geschlafen, gef…. und sich ordentlich am Hintern gekratzt.

IMG_20140817_004739Eben all das, was wir Menschen den lieben langen Tag auch so machen. Quasi das Leben in seiner Reinform ist hier zu betrachten und ich erhebe mich quasi als beschreibender und überlegener Gott über diesem Mikrokosmos der Steppe. Und was bleibt am Ende, wenn die Herde alsbald wieder auf die Weide getrieben wird von ihr zurück? Richtig  – Scheisse, Mist, Exkremente und ein gewisser Duft in der Luft, der all das zuvor Beschriebene und vor allem letzteres beinhaltet und zu einer Kakophonie des Lebens verschmilzt.
Ihr könntet jetzt natürlich fragen, warum ich so philosophisch drauf bin. Nun, das liegt an mehreren Gründen, die ich euch noch schnell erklären möchte, bevor ich dann auch „endlich“, werdet ihr sagen für heute schließe.
Zum Einen bin ich ein wenig von der Atmosphäre hier ergriffen, von all den Eindrücken und vor Allem der Realität hier berührt. Hier sind Tod und Leben so eng miteinander verknüpft, dass man beides quasi spüren kann, riechen kann, wenn man die Nase nur weit genug in den immer wieder erfrischend aufkommenden Wind steckt. Zum Anderen bin ich selbst hier mit einem nussliebenden zweimetergroßen Niederländer namens Will unterwegs, der natürlich Vegetarier und Buddhist ist, in seinen Ansichten und Reden sehr stark an Jesus erinnert und der mich nicht nur was mein Englisch betrifft an die Grenzen meiner Argumentationsfähigkiet bringt. So viel Esoterik färbt ab!

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Vor alllem aber liegt das an der absoluten Stille und Ruhe hier draußen, die heute Nacht nur durch mein Schnarchen gestört einfach alles zu durchdringen scheint.
Bevor ich jetzt wieder abdrifte, was vielleicht auch am Schlafmangel liegt, da wir auf viel zu kleinen Metallgestellbetten in einer Jurte davon nur wenig abbekamen (Irgendjemand hat total geschnarcht“!!!!!“) gebe ich noch ein paar banalere Anekdoten zum besten:

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1. Julia hat es natürlich gleich bei der ersten Familie in der Steppe geschafft, unhöflich zu sein, was natürlich ausschließlich auf ihren guten Maniieren beruhte. Sie hat nämlich den zur Begrüßung angebotenen frischen und selbstgemachten Yogurt an mich weitergereicht, weil ich weiter wegsaß-  und damit anscheinend den Eindruck vermittelt, sie wolle ihn nicht! Obwohl sie dann durch den Guide übersetzt das Missverständnis aufzuklären versuchte, hat sie dann keinen Yogurt bekommen, weshalb ich meinen natürlich ritterlich mit ihr geteilt habe. (Das habe ich übrigens auch mit dem „Begrüßungskeks“ (einer Art getrocknetem Ziegenkäse-superhart und salzig das Ding) versucht, den ich Trottel mir genommen habe und welchen ich alleine einfach nicht runter bekommen konnte. Aber keine wollte ein Stück. Gut, man konnte auch keine Stücke abbrechen, aber naja. Ich habe den Klumpen dann unauffällig im Van verstaut und so niemanden beleidigt, obwohl es mir um die Arbeit, die die Nomaden damit hatten, schon leid tut.
2. Unser Guide ist nicht nur Guide, sondern kocht auch für uns und das garnichtmal schlecht, besonders wenn man sein eingeschränktes Equipment bedenkt. Doch da wir ja einen Vegetarier dabei haben gibt es in diesem Land das fast ausschließlich vom Fleich lebt, erschreckend wenig Fleisch für uns zu essen. Da ich auch über keinerlei Kissen verfüge, ist dem Vegetarieproblem wohl nicht quasi über Nacht beizukommen. Außerdem würde der Käsjesus, der übrigens wirklich ausnehmend nett und verdammt lustig , also eine ansonsten super Reisebegleitung ist, bestimmt bei der ersten Chance wiederauferstehen. Also eben weniger Fleisch, was solls. Wer kann schon von sich behaupten, dass er in der mongolischen Steppe den besten Tofu seines bisherigen zugegebenermaßen wenig tofubelasteten Lebens gegessen hat.

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Ich,(Literarischer Kniff, jetzt mit Ich anzufangen, cool gell!) geh jetzt dann wieder runter und hoffe auf einen gemilchten Tee bei der Gastfamilie, um mich ein wenig aufzuwärmen, denn noch ist es erfrischend kalt draußen und der Felsen auf dem ich so schön sitze hat für meinen Hintern auch negative Konsequenzen. Also, auf ins Getümmel und noch einen letzten gottgleichen Blick auf die Herde unter mir geworfen und oh, da versucht doch tatsächlich eine Ziege zu mir rauf zu kommen, vielleicht um mich von meinem Platz zu vertreiben. Quasi selbst diesen zu übernehmen,. Gott von seinem Thron zu stürzen und sich dann an den Laptop zu setzen und selbst über die niederen Kreaturen da unten in der Steppe in ihren Jurten zu bloggen!

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Was für eine verrückte Welt!!!!!!

„Der Backpackerrucksack ist der Kolonialhelm des 20igsten Jahrhunderts“

So hier nun auch mein erster Blogeintrag und wie beim letzten Mal wiederum von einem internationalem Flughafen direkt am Gate.

Und wiederum stelle ich fest, dass Flughäfen insbesondere die wirklich großen, eine ganz besondere Atmosphäre ausstrahlen, die den kritischen Geist zum Einen innerlich vor Ehrfurcht vor dem technischen Fortschritt unserer Zeit erbleichen lässt, zum Anderen aber auch eben diesem kritischen Part von uns, über den jeder mehr oder weniger verfügt, vor Augen führt, was an unserer „modernen Gesellschaft“ alles nicht stimmt. Das beginnt zum Beispiel damit, dass es nun automatische Passkontrollautomaten gibt, die jegliche soziale Interaktion beim Verlassen seiner Heimat nunmehr effizient unnötig macht. Bei mir hat das Gerät anscheinend erkannt, dass ich sozialen Kontakt wünsche, wenn ich mein Heimatland für längere Zeit verlasse, und bat mich deshalb per Zeichen (Lesekompetenz ist hier nicht erforderlich, obwohl man natürlich auch Zeichen lesen können muss…) und einem erschreckenden roten Blinklicht darum, einen netten Beamten aufzusuchen, der meinen Pass und damit mein papierenes Selbst, dann doch wieder auf die anständige, nämlich die händische Art behandeln musste. So durch soziale Interaktion der berauschendsten Art gestärkt ging es weiter zum Sicherheitscheck und danach zum Gate, wo mich der Aufruf nun dazu bringt, diesen Beitrag stark zu kürzen und erst wieder im „sonnigen“ Ulanbataar fortzusetzen. (sp)