Peru-Alltag auf Castellano

Jetzt wird es aber mal Zeit – Nun haben wir hier in Peru schon so viele wahnsinnig tolle Erfahrungen gesammelt und entnervende Angelegenheiten erlebt, aber eigentlich noch gar nichts über die Alltagskultur berichtet – Sapperlott!
Gerade die letzten Tage, die wir jetzt hier zwischen Trujillo und Huanchaco unterwegs waren – haben wir noch mal richtig authentische Eindrücke gewinnen können, da es hier erstens kaum Touristen gibt und zweitens mangels der dritten anwesenden Partei auf dieser Reise und langsam ausgehender Reserven viel weniger „Taxi“ und „Nudeln“ und viel häufiger „Bus“ und „Street Food“ hieß.
Unsere Erkenntnisse:
Das öffentliche Bus-System in Peru ist einfach geil!

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Die Idee: Zahlreiche Busse absolvieren – mit Busfahrer und Kontrolleur/Anwerber – die gleiche Route entlang markanter Punkte, aber anstelle von Bushaltestellen wird einfach immer dort angehalten, wo jemand den Arm hinaus streckt und den Bus zu sich heranwinkt. Besteht einmal zu wenig Interesse an der Dienstleistung Bus (was wir uns bisher in keinem der vollgestopften Busse vorstellen konnten)

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, hängt der junge Mann, der eigentlich das Geld für die Tickets kassiert – sich einfach aus der Tür raus und schreit den zufällig anwesenden Passanten lauthals die Route des Busses zu.

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Zwischendurch hüpft er – an Restauarants oder auch öffentlichen Stellen -immer wieder schnell aus dem Bus, um eine Art Stechkarte abzuwerten, die wohl beweisen soll, wie oft und vor allem wie schnell der Bus seine Runde geschafft hat;-

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Unser Bus heute von Huanchaco nach Trujillo zum Beispiel war zudem noch ein besonderes Unikat: Nicht nur, dass der Boden fast durchgerostet war

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– nein, der ganze Fahrerraum war mit katholischen Reliquien und Ikonenblidchen sowie mit einer Klorolle (wozu auch immer man die da wohl braucht?) ausgestattet.

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Die uns bereits bekannte und sehr liebgewonnene südamerikanische Musik brüllte in voller Lautstärke aus den Boxen, aber der Fahrer hatte Kopfhörer auf -wahrscheinlich bevorzugt er französischen Rap, auch wenn dies zu Lasten der Verkehrssicherheit gehen könnte;-) Als wir dann auch noch den Punkt verpassten, an dem wir hätten aussteigen sollen, (ohne Haltestellen ist das für Ortsfremde halt schlecht zu erkennen;-) genossen wir einfach eine kostenlose Stadtrundfahrt, bis die beiden Herren, die den Bus kontrollieren, uns an der passenden Stelle mit Anweisungen und Wegbeschreibungen in die frische Luft entließen…. Eine sehr spannende Erfahrung, wieder mal;-)
Auch unsere Minibusfahrt heute ( Minibusse heißen hier Collectivos, weil viele Menschen sich so ein Gefährt teilen) war sehr aufschlussreich: Zunächst saßen wir in einem fast leeren Collectivo, aber sobald wir um einige Straßenecken gebogen waren, hielten wir alle 15 Meter an, um Menschen unterschiedlichsten Alters und Geschlechts aufzunehmen – teilweise bepackt mit großen Einkaufstüten, teilweise mit Babies, teilweise mit Ziegelsteinen (!!!) – was man hier nicht alles transportieren muss…

In Trujillo ist  insgesamt wahnsinnig viel los – hier klettern die Menschen fast wie kleine Ameisen durcheinander (es wirkt jedenfalls so, weil es plötzlich überall so voll ist) . Diesen Eindruck erhielten wir zwar am Nachmittag, er manifestierte sich jedoch am Abend, nach Sonnenuntergang: Scheinbar hält es keinen Peruaner in seinen 4 Wänden, sobald die Sonne untergegangen und die Arbeit niedergelegt ist -man schnappt sich seine Familie oder wahlweise seine Freunde und stürmt nach draußen, um dort zu spazieren, Kunststückchen auszuprobieren oder einfach nur zu chillen. Und natürlich wird man auch hierbei wieder mit Essen versorgt: Alle paar Minuten kommt ein netter Mensch mit Süßigkeiten, Kuchen, Amorada oder Chips vorbei (alles je 1 Sol) und bietet seine Ware feil.

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Übrigens genießen wir die Vielfalt des Angebotes hier sehr – leider bekommt man sonst manchmal den Eindruck, dass „Hähnchen“ hier – wie das Bier in Bayern – als absolutes Grundnahrungsmittel gilt und man dieses am liebsten zu jeder Tages- und Nachtzeit konsumieren würde (Beispiel für einen typischen peruanischen Tagesspeiseplan: Morgens: Süßliche Semmel mit kaltem, geschreddertem Hühnerfleisch, Mittags: Suppe mit Hühnerinnereieneinlage, danach Pollo al Saltado, Abends: ¼ Hähnchen mit Papas Fritas und Ensaladas)

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. (@Stefanie: Ja, wir mochten Hähnchen einmal – aber wir würden mittlerweile liebend gerne gegen Meerschweinchen, Krokodil oder Emu tauschen! Stephan ließ sich sogar ohne körperlichen Widerstand in ein vegetarisches Resto führen

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– ich denke, das beweist, wie verzweifelt wir bemüht sind, dem allgegenwärtigen Hähnchen zu entgehen…;Der einzige Grund, weshalb wir überhaupt noch über den Konsum von„Pollo“ nachdenken, ist der unfassbar laute und zeitlose Hahn neben unserem Zimmerfenster, an dem wir uns gerne für die schlaflosen Nächte rächen würden…)

Ein weiterer wichtiger Aspekt des alltäglichen Lebens- neben öffenltichen Verkehrsmitteln, Freizeitgestaltung und Ernährung – ist, wie könnte es auch anders sein, der allgemeingültige Toilettengang (Ich kann Ben förmlich hören: „Schreibt ihr schon wieder über Klos????!!!“)
Die hygienischen Facilitäten hier verdienen übrigens in jeder Hinsicht die Bezeichnung „Toilette“, handelt es sich hierbei doch tatsächlich um weiße bzw. knatschbunte (bau und grün sind sehr beliebt) Keramikschüsseln. Also kein Vergleich zu den mit speziellem Odeur ausgestatteten Löchern, die uns in China so oft begegent sind. Aber: Die Leitungen hier sind wohl dermaßen schmal und der Wasserdruck so schwach (mal ganz abgesehen von den hiesigen Klärvorrichtungen), dass Toilettenpapier auf keinen Fall mit weggespült werden darf, sondern stattdessen in kleinen Behältern neben dem Klo gesammelt werden muss (was übrigens für einen ganz eigenen Duft sorgt – meine Assoziation dazu ist „Windeleimer“).
Zitat Stephan: „Jetzt aber mal wieder zu angenehmen Details, ja! Wir wollen hier ja keinen falschen Eindruck erwecken…“
Na gut! Also, neues Thema… Ah ja: Musik. Wie oben bereits angedeutet: Die Menschen hier lieben Musik! Am liebsten so, wie Musik bereits von unseren Vorfahren gedacht war: laut und inbrünstig! Sei es der Bus, der wie eine fahrende Disko wummert, die Einkaufsstraße, in der von jedem Laden andere Melodien schallen, oder auch einfach die peruanischen Kombos, die in der Fußgängerzone singen

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(nein – nicht, wie ihr euch das vorstellt – es kann keine Rede von Panflöten und bunten Umhängen sein, wie man das von peruanischen Bands in der Frankfurter Fußgängerzone kennt!) – Musik ist überall, und ohne könnte sich hier sicher niemand entspannen oder gar konzentrieren – keine Ahnung, wie wir in Europa das eigentlich ohne schaffen;-)

Und gerade dieser Aspekt ist es, der uns zu Haue sicher fehlen wird: Die große Zahl an glücklich lächelnden Menschen, die abends die Straßen entlangflanieren und sich dabei von Zeit zu Zeit im Takt wiegen – ein Lebensgefühl, dass man einfach in unserem unterkühlten Deutschland nicht finden kann.. Andererseits fallen wir in unserem Heimatland natürlich auch nicht so auf – nicht, dass wir optisch nun, ohne unsere „Blondine“ Ben, nicht ganz gut einblenden könnten (also bezüglich Haarfarbe, Augenfarbe, Hautfarbe), aber wir sind – wieder mal – einfach zu groß und unser Spanisch (Sorry: castellano) ist leider, leider nach wie vor nicht gut genug, um hier erfolgreich untertauchen zu können;-)

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